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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
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Grund dafür nicht einsehen- oder verstehen-, geschweige denn dieGerechtigkeit, die darin liegt. Sie finden keinen Anlaß, uns zu entschuldigen, und tun auch nichts, um den Grund und die Zusammenhänge zu erfahren. Sie nehmen dies, wie sie all das andere Schreckliche genommen haben, das ihnen das Schicksal zugefügt hat und das ihr Dasein tagaus, tag- ein, in vielen, vielen Jahren ausgemacht hat. Bitter ist es aber, daß auch wir jetzt in ihre Galerie von Todfeinden eingereiht werden. Wir waren es, die ihnen die Betten und Baracken weg- nahmen, wir waren es, die sie vonGrund und Boden ver- trieben, hinaus auf Transport. Und was ein Transport für sie bedeutet, das wissen alle viel zu gut.

Ein Ereignis löst das andere ab. Ich habe nicht mehr als sage und schreibe drei Stunden Schlaf gehabt im Laufe von zwei Tagen und zwei Nächten. Am gleichen Nachmittag, an dem wir mit dem Reinemachen im Mauerblock fertig waren, kam Bescheid, daß das ganze Revier auf Block 16 und Block ı5 (den letzteren hatten wir gerade verlassen) übersiedeln sollte. Ich bekam einige Leute zur Hilfe, und wir schufteten, bis es Tag wurde. Es war vier Uhr durch, als ich mit Arvid zusammen in Koje Nr..4 des Mauerblocks an Bord kroch, um ungefähr eine Stunde später mit einem Donnerwetter geweckt zu werden. Wir sollten unsere Sachen augenblicklich packen und auf Block 7 einziehen! Die Dänen sollten den Mauerblock alleine haben. Hinaus mußten wir, und in jener Nacht gab es keinen Schlaf mehr, denn ich mußte anfangen, Pläne zu zeichnen für die Einrichtung des neuen Reviers in zwei Blocks. Wir hatten gebeten, Block ıı zu bekommen, einen Block, der für diesen Zweck viel besser geeignet ist als Block ı5 und 16. Das sind nämlich alte und baufällige Gebäude. Bescheid:Das kommt nicht in Frage. Der Kommandant hatte befohlen, daß wir 15 und 16 haben sollten, punktum. Dazu kommt noch, daß 15 und 16 am Ende einer Blockreihe liegen. Das Revier darf wohl nicht zentral und praktisch liegen! Im Laufe des Nach- mittags kam dann Bescheid an mich vom Standortarzt, daß ich die Pläne pünktlich um neun Uhr am nächsten Morgen fix und fertig haben müßte. Ich war todmüde, nachdem ich nur

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