Wetter seit langer Zeit trocken war, lag in den Betonvertiefungen, in den Rinnen und Ritzen Wasser. Welcher Art dieses Wasser war, verriet der Geruch. Auch wie es um die Abwässer stand, darüber war kein Zweifel möglich. Der Dreck lag überall schichtenweise, es war schlimmer als in einem Schweinestall. Die Baracke war der Stall, wo die Tiere die Nacht zubringen sollten, der Hofraum der Außenstall.
Wir trafen mit den Jungen zusammen, die vor uns angekommen waren, und was sie erzählten, war niederschmetternd. Überall derselbe Schweinestall, überall Gestank und Dreck. Alles in allem nur Durcheinander und Elend. Außer uns setzten sich die Lagerinsassen ausschließlich aus Muselmännern zusammen, die wie die Fliegen im äußersten Elend starben. Es war trostlos. Aber wir waren müde. Wir waren ja um den Schlaf einer Nacht betrogen worden, und die Reise war anstrengend und vor allem aufregend gewesen. Darum schliefen wir bald schwer und tief in unseren Stallungen.
24. März 1945
Ich bin sehr damit beschäftigt gewesen, eine Baracke einzurichten, die man uns als Krankenhaus überlassen hat. Deshalb konnte ich diese Aufzeichnungen nicht täglich machen. Es gibt so viele Eindrücke, und sie sind so überwältigend in ihrem Grauen, daß es schwer sein wird, ihnen gebührenden Ausdruck zu verleihen. Das schwedische Rote Kreuz ist offensichtlich hinters Licht geführt worden. Schon jetzt gibt es Typhus im Lager, und es graust einen, wenn man daran denkt, was das Ausbrechen einer Epidemie unter diesen Verhältnissen bedeuten würde. Bald kommt die Wärme. Misthaufen liegen offen da Kloake und Dreck fließen überall. Verlauste, kranke und sterbende Muselmänner schleppen sich herum und hängen bettelnd an den Stacheldrahtzäunen, die unseren Hofplatz umgeben. Es ist gerade, als wenn man in Bakterien und Bazillen watet und wütet. Täglich sterben hundert bis hundertundfünfzig Mann im Lager, das alles in allem Platz für achttausend Gefangene hat. Es waren schon bis zu zwölftausend hier. Die
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