oder besser gesagt: mit Menschen! Das Märchen hatte angefangen.
Und dann sahen wir zum letztenmal die Mauer, die Wachttürme, das SS - Lager, die Wachtposten an der Wegkreuzung, den Schlagbaum, dort, wo der Weg nach Kfz- Depot abzweigt. Dort marschierten wir jeden Tag, morgens und abends! Bald verschwand das Lager ganz aus unseren Augen. Es ging nach Westen, etwas Neuem entgegen, etwas Unbekanntem, das aber so verlockend war!
Ich werde morgen weiterschreiben. Jetzt ist es bald Mitternacht, und dreihundert Mann liegen und schnarchen um mich herum.
22. März 1945
Wenn man sich die Straßen aus der norddeutschen Landschaft wegdenkt, bleibt nur eine flache, mit Dörfern bestreute Ebene übrig. Die Busreise ging von Dorf zu Dorf über endlose Straßen, die Meile um Meile der Ebene in Polygone, Rechtecke und Dreiecke aufteilten. Eine langweilige Landschaft- eine unheimliche Landschaft mit all den Strömen von Flüchtlingen und Gefangenen, denen wir begegneten oder die wir überholten. Am Eingang und am Ausgang jedes Dorfes und jeder Stadt waren Tanksperren errichtet. Schwere Baumstämme waren zu einem dichten Bollwerk in großer Höhe und ansehnlicher Breite aneinander gerammt. An jeder Wegkreuzung und an jedem Brückenübergang waren ähnliche Anlagen erbaut. Alles zeugte davon, daß jeder Meter deutscher Erde verteidigt werden soll. Wenn es von der deutschen Führung abhinge, wäre der Krieg noch lange nicht zu Ende. Wir kamen auch hin und wieder an einem Gefangenenlager vorbei, und auf den Feldern sahen wir Gefangene arbeiten, Frauen und Männer. Ich fuhr im ersten Bus und konnte frei nach vorne schauen. Die anderen Fenster waren verdunkelt. Vor uns fuhr der schwedische Leiter mit einem Begleiter in einem kleinen Personenwagen. Zwei- bis dreimal unterwegs legten wir ,, Ruhepausen" ein, in denen wir aus dem Auto aussteigen konnten. Es gelang mir, einige Worte mit dem schwedischen Arzt, Pro
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