gekocht und gebraten, immer gezankt, alles geschieht immer. Der Samstagabend wurde zur ,, Entlausung" benutzt. In der Entlausungsanstalt wurden wir ausgezogen und Schlafsäcke und Kleider ins ,, Gas" geschickt, während wir selbst unter die Brause mußten. Dort betrachtete man uns mit der Lupe unter dem Magen. Natürlich gab es Fliegeralarm, als wir nackt dastanden und auf unsere Kleider warteten. Der Alarm dauerte über eine Stunde, die wir natürlich im Dunkeln verbrachten. Endlich war er vorbei, und es gelang uns, unsere entlausten Kleider und unseren Schlafsack zu bekommen, und dann gingen wir auf unseren Block zurück und legten uns in Betten, die Läuse haben müßten, falls diese Entlausung überhaupt irgendeinen Sinn gehabt hätte! Das ist deutsche Gründlichkeit!
Sonntag nachmittag waren wir wie immer auf dem Revier. Wir begrüßten Tommy zum letztenmal. Es ging ihm glänzend, und er war begeistert von zwei Spielen, die wir für ihn herbeigeschafft hatten, sowie einer großen Tüte mit Würfelzucker. Ich spielte mit ihm und verlor. Er war selig, fand es aber etwas traurig, daß ich verloren hatte. Du armer, liebenswerter, prächtiger Tommy! Es tat so weh, so weh, dir auf Wiedersehen zu sagen- mehr als irgend etwas anderes in dem Gefangenenleben deines ,, alten Onkels"! Denn bereits das erste Mal, als er dich sah, hast du sein Herz gewonnen. Aber das verstandest du nicht, Tommy, und das ist gut so.
Rolf ist wieder ganz obenauf. Er spaziert draußen herum und sieht besser aus denn je. Er wird mit dem ersten Trupp fortgehen.
16. März 1945
Gestern passierte so viel, daß ich bis heute mit dem Schreiben gewartet habe. Morgens bekamen die ersten dreihundertundfünfzig Mann, die auf der Reiseliste standen, Nachricht, sie möchten mit Gepäck antreten. Endlich? Aufbruch und Krach, neue Welle von Reisefieber, neuer Optimismus. Die Stimmung war bereits etwas schlapp geworden. Die Dreihundertundfünfzig wurden, nachdem sie sich auf dem Appellplatz aufgestellt hatten, im Bad untergebracht. Dort blieben sie sitzen,
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