wegischen und dänischen Gefangenen in ein„‚sichereres‘““ Lager übernehmen. Neuengamme ist sonst als schlecht bekannt. Sollte jedoch wahr sein, daß es ein Sonderlager für Norweger und Dänen unter dem Schutz des schwedischen Roten Kreuzes werden soll, dann hätte man ja Ursache zu glauben, daß die Verhältnisse dort besser werden.
Es erübrigt sich wohl, zu sagen, daß die Stimmung in den Norwegerblöcken gehoben ist- milde ausgedrückt.
26. Februar 1945
Hinsichtlich unseres Schicksals haben wir nichts Neues er- fahren. Aber die Gerüchte werden weiter gesponnen, und die fröhlichsten und schönsten Zukunftsperspektiven werden auf- gerollt. In Sonnenscheinomnibussen sollen wir hier wegfahren, bedient und gepflegt werden von schwedischen Lotten, Über- fluß an Essen und Kleidern haben, und alles soll nur gut wer- den. Die Zeit unserer Prüfungen ist vorbei. Wir sind erlöst!
Aber sonst ist alles beim alten. Heute morgen marschierten wir zur Arbeit wie sonst, und nichts deutet auf eine plötzliche Veränderung hin.
Emil Stang, Stenstrup und viele andere kamen nach dem ein- wöchigen Aufenthalt in der Isolierung zurück, tief erschüttert und entsetzt über das, was sie gesehen und erlebt haben. Stenstrup erzählte davon. Stenstrup ist übrigens fabelhaft. Ich glaube, ich habe noch nie einen stärkeren Menschen als ihn getroffen, was auch die Heldensaga seines Gefängnisaufent- haltes mit allen seinen abenteuerlichen Begebenheiten bezeugt. Klein und zart, wie er ist, sollte man es nicht für möglich halten, daß er alle Peinigungen und allen Terror, denen er unterworfen war, ausgehalten hat. Die wunderbare Stärke, die von diesem kleinen, merkwürdigen Mann ausstrahlt, ist bestimmt auch eine gute Hilfe für die Kameraden gewesen. Stang sagt, er seinerseits habe keine Ahnung davon gehabt, was hier in Sachsenhausen wirklich vor sich gegangen sei. Als er hierher kam, wurde er von guten Freunden und lieben Menschen betreut- und es dünkte ihn, er habe es in jeder Beziehung
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