22. Februar 1945
Gestern wurden wieder einige Wagenladungen Tb- Patienten abgefertigt. Dazu kam der Trupp Juden, der im Krematorium beschäftigt war. Es waren sechsundzwanzig Mann. Sie hatten die Spuren der Ermordung von zwölftausend Russen im Jahre 1941 beseitigen müssen, das heißt, sie gruben die Gebeine heraus, wo sie nach mangelhafter Verbrennung vergraben worden waren, und zerbrachen sie. Was dann damit gemacht wurde, weiß ich nicht. So glaubte man wahrscheinlich, die Spuren eines zweiten Katyn entfernen zu können.
Gestern wurde ein Gefangener in das Krematorium geschickt, um im Leichenkeller ein neues Fenster einzusetzen, da das alte zerbrochen war. Das Fenster war mit Blut bespritzt, und ein Eisenstab war zur Seite gebogen, als wenn jemand versucht hätte, hinauszukommen. Er erfuhr, daß eine der ,, Leichen“ nicht tot gewesen war und dort unten, wo man unter Hochdruck arbeitete, um die Leichen in die Öfen zu befördern, aufgewacht sei. Er hatte in den Ofen hineingeschaut, den entsetzlichen Zusammenhang erfaßt und einen verzweifelten Versuch gemacht, sich aus dem Fenster hinauszuzwängen. Dann hatten sie ihn erschossen. Die Mauer rings um das Fenster war mit Kugeln besät.
Der Transport ist noch nicht abgegangen. Einer der Betrunkenen vom Kfz- Depot ist gestorben. Er hat sich einfach totgetrunken an zweiundachtzigprozentigem Spiritus.
25. Februar 1945
Noch immer sind die dreißig Norweger, die mit dem Transport weggeschickt werden sollten, hier. Heute kamen sie sogar, nachdem sie eine Woche isoliert gewesen waren, auf ihre Blocks zurück. Ich sprach mit Stenstrup. Was er von dieser Woche erzählen konnte, war erschütternd. Die Leute starben wie Fliegen um sie herum. Sie waren ja mit Muselmännern und arbeitsunfähigen Leuten zusammengepfercht. Täglich wurden Haufen von Leichen auf den Aborten oder im Waschraum aufgestapelt. Es gehörte zur Tagesordnung, daß einige
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