wandern sie mit ihren Narrendecken und Sachen los bis zur nächsten Ecke, wo rechts abgebogen wird. Und dann führt man sie durch einen anderen Eingang in die gleiche Anstalt mit denselben gelben Schornsteinen, aus denen sich Tag und Nacht schwerer Rauch wälzt. Viele glauben sogar, daß sie hier nur hinkommen, um in Omnibusse verladen zu werden, die sie zur Bahn bringen sollen. Bei Tb- Kranken ist es ja sehr schwer, die Hoffnung zu zerstören, wenn sie einmal gefaßt ist. Und diese Hoffnung betäubt ihren Verdacht, stumpft ihre Urteilskraft und Beobachtungsgabe ab und bringt sie dazu, bis zum letzten Atemzuge mit allen Fasern am Leben zu hängen.
Aber die ,, Rücksichtnahme" und das ganze Narrenspiel hören auf in dem Augenblick, in dem sie die Schwelle zur Todeskammer überschreiten- sei es nun die Gaskammer, der Krematoriumskeller oder der Industriehof. Wenn man die Schüsse und Schreie bis zum Revier und den umliegenden Gebäuden hören kann, wie muß es dann sein, wenn man sich im nächsten Raum befindet und ,, an der Reihe" ist?
Ein Stück Speck von Björn und ein paar Sardinenbüchsen, die sich im gleichen Paket befanden ,,, retteten" gestern die Lage. Die ,, Panzerportion" wurde noch einen Tag gespart. Vielleicht können wir noch einen Tag mit dem restlichen Speck und der einen Sardinenbüchse auskommen- wir werden dazu noch ein paar Steckrüben hinunterzwingen, damit der Magen voll wird.
15. Februar 1945
Gestern wurde im Schonungsblock Nr. 2,, ausgesucht", wo Skipper Stuben ältester ist. Er wußte zu erzählen, daß die Opfer die Wolldecken und was sie sonst noch besaßen mitkriegten. Ein Omnibus kam auf den Appellplatz und holte sie. Das Einsteigen ging dort vor sich. Mit Paketen auf dem Rücken und Paketen auf dem Bauch und einer Decke über den Schultern wanderten sie froh zum Appellplatz, wo sie Mann für Mann aufgerufen wurden und ihr Name auf der Liste ein Kreuz erhielt. Diese Kreuze wurden ihre Grabkreuze. Aber sie wußten es nicht. Sie fuhren aus dem Lager hinaus, geraden
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