einen Eindruck, kein Büttel, keiner dieser unmenschlichen Schrecken, die mich noch immer aufregen- jedenfalls eine Zeitlang. Er ist abgehärtet, aber gleichzeitig hat er auf eine merkwürdige Weise sein Herz und seine feine, weiche Menschlichkeit behalten. Er hat nur eine ganz unerklärliche und beinahe unheimliche Fähigkeit, sie auszuschalten, wenn es erforderlich ist. Und es ist erforderlich, das weiß Gott !
Als wir gestern zurückkamen, hieß es, alle Evakuierungsmaßnahmen seien eingestellt. Es gibt wirklich Dinge, die auch darauf hindeuten. Aber auf einem anderen Block wurde ebenso hartnäckig und aus ebenso ,, sicherer" Quelle behauptet, daß wir Donnerstag los sollen. Einige Norweger sind bereits mit einem Reviertransport geschickt worden. Damit ist die Ansicht, daß die Norweger zurückgehalten werden sollen, widerlegt. Jetzt heißt es noch, daß die Evakuierung nach Kommandos vorgenommen werden soll. Dann wird das Spind gesprengt. Frode und Erik werden zusammenkommen und Scott und ich. Aber wir glauben nichts, bevor wir es sehen.
Ein norwegischer Polizist kam gestern hier ins Lager und wurde auf Nr. 14 gelegt. Er war mit den anderen norwegischen Polizeileuten irgendwo bei Danzig interniert gewesen. Vor einiger Zeit wurde das Lager zu Fuß evakuiert. Der Polizist bekam Scheuerwunden und konnte das Tempo nicht mehr einhalten. Man sagte ihm, wo es hinging, und bat ihn, nachzukommen. Dann wurde er sich selbst überlassen. Er zog die Landstraße allein entlang, so gut er konnte, bettelte Essen auf den Bauernhöfen und ebenso Nachtlager. Aber dann vergaß er den Namen der Stadt oder des Lagers, wo er hin sollte. In irgendeinem kleinen Dorf meldete er sich bei der Polizei und erklärte die Sache. Man gab ihm drei Posten mit, und es sollte per Bahn weitergehen. Die Posten hängten ihre Mäntel und Gewehre auf dem Bahnhof ab und gingen davon. Der Mann blieb wieder alleine, denn die Posten kamen nicht zurück. Er traf dann einen deutschen Offizier und meldete, was vorgefallen war. Der Offizier nahm sich der Gewehre und der Überzieher an und sagte, der Mann könne weitergehen. Er ging, und nach langer Zeit langte er hier in Sachsenhausen an,
285


