Im übrigen habe ich einen Brief von Kari bekommen. Was tut es dann, ob ich auch nach Bad Saarow geschickt werde?
Zwei Uhr.
23. Januar 1945
Jetzt sind wieder ein paar Tage vergangen, ziemlich bewegte Tage. Der Vormarsch der Russen ist phänomenal, und die Stimmung ist so gespannt wie nie zuvor. Einige warten tatsächlich darauf, daß es jeden Augenblick zu Ende geht, während andere es ruhiger nehmen.
Bezüglich meiner Person gibt es nur die Neuigkeit, daß ich endlich hier draußen bei ,, Herz As" an die Arbeit gekommen bin. Das Ganze ging einigermaßen schmerzfrei vor sich, wenn auch nicht völlig. Ich mußte eine Büchse Sardinen, Speck und Zigaretten opfern, um mich damit bei einem BV- Leiter erkenntlich zu zeigen, als alles in Ordnung war. Am Sonntag kam ich hier heraus.
25. Januar 1945
Meine Faulheit ist daran schuld, daß ich zur Zeit nicht schreibe. Zu berichten gibt es nämlich genug. Aber das Leben hier draußen auf ,, Herz As" macht trotz alldem, was passiert, faul. Man braucht tatsächlich nur das zu tun, wozu man gerade Lust hat, wozu man sich bequemen will, und läuft dabei keine Gefahr. Hier gibt es keine SS, nur einige Zivilisten, die ungefährlich sind. Mit anderen Worten: Hier ist es ganz ideal im Verhältnis zu dem, was sich sonst den Gefangenen bietet.
Panik und Auflösung prägen die Situation. Aus anderen Lagern, die evakuiert werden müssen, kommt ein Gefangenentransport nach dem anderen. Gestern kamen mehrere Eisenbahnzüge mit solchen Transporten in Sachsenhausen an. Die meisten waren tot. Sie waren auf offenen Güterwagen, wo sie sich bis zu drei Tagen und drei Nächten in einer entsetzlichen Kälte( bis zu siebzehn Grad) aufgehalten hatten, erfroren. Ein
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