und die deutsche Offensive im Westen. Und das Ergebnis war wohlgelungen. Wir bereiteten uns selbst und anderen Freude.
14. Januar 1945
Es kommt vor, daß man nur das Datum hinschreibt, dann schon gestört wird und es aufgeben muß, weil ein SS- Mann kommt oder etwas anderes Unangenehmes. Aber es gibt noch einiges, was ich berichten muß.
Mir wurde auf Kfz- Depot Wald gekündigt. Ich bin ganz einfach weggeschickt worden. Am gleichen Tage noch mußte ich meine Sachen zusammenpacken, um nie mehr wiederzukommen. Aber es ging etwas voraus:
Heute haben wir Samstag. Ich glaube, es war am Dienstag abend nach der Arbeitszeit, als meine Schubladen draußen im Glaskäfig durchsucht wurden. Außer einer Menge verschiedener Zeichnungen und Papiere, fünfzehn bis sechzehn Aquarellen, darunter vielen Studien von Ukrainern, Muselmännern usw., nahm man auch das Konzept zum Bombenlied mit, das ich vor kurzem im Koffein- Rausch gedichtet hatte. Das waren ja alles weniger gefährliche Dinge als das Tagebuchblatt, das Follmann schon früher an sich genommen hatte. Denn es läßt darauf schließen, daß es noch mehr solcher Blätter gibt. Es fing sogar mitten in einem Satz an. Und dann die Aquarelle! Irsch hatte sie schon früher gesehen, jedenfalls einige von ihnen, aber er hat nichts gesagt. Es ist unmöglich, daß man dafür erhängt werden kann! Nein, im ganzen genommen ist es eine unschuldige Geschichte, aber so, wie sie vor sich ging, hat sie doch immerhin etwas Unangenehmes im Gefolge. Follmann und Hüsel erzählten mir am Mittwoch morgen nur, was geschehen sei, sonst nichts. Nicht, was man genommen hatte, nicht, was man vorhabe. Sie sagten nur, daß ich abgesetzt werde, weil zu viele Architekten im Kfz- Depot Wald seien. Den ganzen Tag wartete ich darauf, zu Steger oder Irsch gerufen zu werden, aber vergebens. Steger hatte wohl wenig Verlangen, mich wieder zu treffen, denn er hatte ja einmal versprochen, mich zu ,, schützen". Irsch wird wohl alle meine
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