sollte. Ich sagte: ,, Es hat wohl kaum einen Zweck, daß wir über dieses Thema sprechen oder diskutieren. Sie dürfen nicht erwarten, daß ich mit Ihnen einig bin, und ich sehe es Ihnen an, daß Sie nicht wünschen, daß ich ehrlich antworte. Auch ich habe ein Vaterland, Rottenführer Follmann, und der Kampf für mein Vaterland deckt sich nicht mit dem Kampf für Ihr Vaterland."
Er wurde weiß im Gesicht. Ich wußte nicht genau, ob er nicht rasend werden würde. Sicherheitshalber bot ich ihm eine Zigarette an und sagte, wir könnten trotzdem eine Friedenspfeife zusammen rauchen. Er nahm keine an und sagte mit Märtyrerstimme, er rauche lieber seinen Machorka. Dann begann er, mit dieser Substanz seine Pfeife zu füllen.
Was sind sie doch für Kinder! Wie unwissend, wie dumm, wie kleinlich!
22. Dezember 1944
Die Welt ist pechrabenschwarz. Jetzt sind die Deutschen in Belgien fünfzig Kilometer vorgedrungen, und die Stimmung bei der SS ist nicht mehr zu dämmen. Sie schimpfen und gebärden sich, als wenn sie an der Wolga ständen. Es ist wahrhaftig leichter, Häftling zu sein, wenn es ihnen schlecht geht. Anscheinend werden sie ein ganz außerordentliches Weihnachten bekommen. Wenn sie heute einen Meter vorrücken, ist es ja dasselbe, wie wenn sie vor zwei Jahren eine Meile vorangingen. Was soll man da von fünfzigtausend Metern halten? Es ist ja selbstverständlich, daß sie berauscht werden!
26. Dezember 1944
Weihnachten 1944 ist vorüber, und bald ist das neue Jahr da. So merkwürdig es sich anhören mag- aber ich glaube nicht, daß ich seit Anfang des Krieges bei irgendeinem Jahreswechsel so dunkel in die Zukunft geschaut habe wie dieses Mal. Aber ich bringe es nicht fertig, hoffnungsfroh zu sein.
4. Januar 1945
Ja, weiter kam ich nicht. Ich habe nicht einmal etwas davon erzählt, wie wir Weihnachten feierten. Das kam wohl haupt
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