Das dürfte doch Beweis genug dafür sein, daß es möglich ist, sogar zu Juden kameradschaftlich zu sein, sogar zu Leuten, denen es schlecht geht und die hungern. Kamerad zu sein jenen, die, wie man selbst, im Überfluß leben das ist leicht. Darüber braucht man keine Lobreden zu halten. Wenn dort gestohlen wird, dann geschieht es nicht einmal aus Not!
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18. Dezember 1944
In diesem Jahr ist jede Art von Weihnachtsfeier verboten. Es ist auch den Gefangenen nicht erlaubt, sich mit ,, Weihnachtsgeschenken" zu beschäftigen, mit Spielsachen und ähnlichem. Material für solche Zwecke darf nicht verwendet werden. Das hindert nicht, daß auf allen Kommandos praktisch in großem Stil an solchen Dingen gearbeitet wird. Ich stelle Weihnachtskarten am laufenden Band her, zeichne Weihnachtsmänner, Bauklötze, Spielsachen und alle möglichen verbotenen Dinge, als wenn wir uns im ersten Kriegsjahr befänden und nicht im sechsten und als wenn die Deutschen vor und nach großen entscheidenden Siegen ständen und nicht die letzten Zeilen in diesem traurigen Vers sängen. Finn Aanesen ist wohl unser schlimmster Pessimist. Er wettete neulich, daß der Krieg nicht einmal Weihnachten nächstes Jahr zu Ende sein würde. Es muß alles seine Grenzen haben. Ich wettete augenblicklich dagegen, daß der Krieg Ostern fertig sei.
Die Menschen aus den Transporten, die zur Zeit im Lager kommen und gehen, sind in einem Zustand, der sie zu einem einzigen Schrei um Hilfe macht. Stundenlang stehen sie zu Hunderten halbnackt draußen in der Kälte und klappern mit den Zähnen, und drinnen in den Baracken und außerhalb und überall sterben sie wie die Fliegen. Wir schauen es an mit leeren Augen- oder vielleicht sehen wir es wie eine notwendige Farbe in der Landschaft. Einige wenige wenden sich und fliehen sie ertragen es nicht mehr. O, wenn die Welt doch wüẞte, was in deutschen Konzentrationslagern vor sich geht! Dann müßte sie dies doch zu einem Ende bringen. Es ist ja eine Schande für unsere ganze Kultur, nicht nur für Deutsch
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