unter Dach kommen. Das ist kein ungewöhnliches Ereignis, des Alltags graue Tragödie in Deutschland heute. Gott helfe ihnen allen!
20. November 1944
Nebel, schlechtes Wetter, Regen und Schneematsch ununterbrochen. Auch heute. Kluge Leute meinen, daß im Westen eine Großoffensive vor der Tür stehe, und die Alleroptimistischsten meinen, daß Aussichten bestehen, daß es noch in diesem Jahr zum Schluß kommen kann. Zu diesen gehöre ich nicht, und im übrigen bin ich auch kein kluger Kopf. Wolfberg, der wahrscheinlich heute mit einem Transport weitergeschickt wird, war gestern hier und spielte uns etwas vor- einige Abschiedsmelodien.
21. November 1944
Eine merkwürdige Patrouille marschiert zur Zeit ständig um den Appellplatz herum, ähnlich wie der ,, Schuhtrupp". Sie tragen alle Gepäck und singen und pfeifen, während sie gehen. Das ist die ,, Pillenpatrouille". Sie sind Versuchskaninchen für eine neuerfundene Energiepille. Es wird an ihnen ausprobiert, wie lange sie sich nach dem Genuß dieser Pillen halten können. Nach den ersten vierundzwanzig Stunden hatten die meisten es aufgegeben und waren zusammengebrochen, obwohl es heißt, daß man mit diesen Pillen Unglaubliches leisten könne ohne die übliche Reaktion. Ja, die Deutschen werden jetzt solche Pillen nötig haben.
24. November 1944
Es sind starke Kürzungen an der Arbeitszeit erfolgt, weil der elektrische Strom gespart werden muß. Wir dürfen ganz einfach morgens eine volle Stunde länger schlafen, bis Viertel nach fünf Uhr, und abends um Viertel vor vier Uhr Schluß machen. Sonntags wird wahrscheinlich auch nicht mehr gearbeitet werden. Das paẞt ja schlecht zu dem totalen Kr egseinsatz, von dem man jetzt so laut schreit, aber es ist doch ein Beweis für den wahren Zustand im Reich. Selbstverständlich
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