brachten sie mit, und mehrere starben auf dem Appellplatz, wo sie nach ihrer Ankunft hier den größten Teil der Nacht stehend zubringen mußten. Zuletzt durften sie im Bad liegen, aber dorthin mußten sie mit Gewalt getrieben werden, da vielen dieses ,, Bad" verdächtig war. Sie hatten Arme, Beine und den übrigen Körper in Papier und Säcke gewickelt, die sie am Wegrand gefunden hatten. Von hier aus sollen wahrscheinlich die meisten von ihnen weitergehen, denselben Weg wie die anderen, die bereits fortgeschickt wurden.
Gestern kamen hundertundsechzig Norweger aus dem Zuchthaus Sonnenburg hierher. Auch sie waren in einer elenden Verfassung. Dreißig von ihnen haben Tuberkulose , davon wurden sechs auf das Revier gelegt. Es ist uns strengstens verboten, sie aufzusuchen und ihnen Essen und Geschenke zu geben. Sie sind nämlich Zuchthausgefangene und nicht Schutzhaft gefangene. Aber ihre Sache wird ,, bearbeitet", und es ist möglich, daß es gelingen wird, sie auf Schutzhaft zu überführen.
Gestern bekam ich zwei Briefe von Kari. Strahlend! Pakete gibt es wenige. Im ,, Spind" haben wir nichts mehr, und ich habe lange, lange nicht mehr anständig geraucht. Ich lebe von einigen Stummeln, die ich in der guten Zeit gesammelt habe, und auch die sind heute zu Ende. Jetzt bleibt also nur noch Machorka übrig, und der ist schlecht.
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18. November 1944
Als wir heute morgen aus dem Tor kamen, bot sich uns ein entsetzlicher Anblick. Ein Transport verkommener Leute, siebzig bis achtzig Mann, stand dort und auf einer Handkarre lagen drei Leichen, zwei Leichen lagen daneben auf der Erde. Die Leichen waren zum Teil entkleidet sie frieren ja nicht mehr, aber das taten die Überlebenden in ihren Lumpen. Wir marschierten schnell vorbei, darum konnte ich nicht viel sehen es war doch mehr als genug. Um sie herum standen Haufen von SS - Leuten und lachten und unterhielten sich. Keiner nahm sich der Elenden an. Da es kalt und feucht ist, ist es wahrscheinlich, daß mehrere von ihnen sterben, bevor sie
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