ı0. November 1944
Erst heute zieht der erste Schub ‚Freiwilliger‘ ab. Man hat ihnen erzählt, sie kämen nach Krakau in ein Übungslager. Aber sie nehmen nicht an, daß sie lange dort gehalten werden. Es wird schon wieder losgehen demnächst, und aller Wahr- scheinlichkeit nach werden sie genau wie die BV-Leute zur Bekämpfung der Partisanen eingesetzt werden. Das ist das Gefährlichste, was es gibt, und wenige kommen lebend davon. Der Kapo(anderer Ausdruck für Vorarbeiter) Eugen Gerhardt bekam am Morgen nach seinem Aufruf Bescheid, daß er doch zurückbleiben sollte, ebenso einige andere. Aber Peter in der Feuerwehr, mein guter Freund, der feinste und beste Deutsche - und Kommunist, den ich kennengelernt habe, wurde leider mitgeschickt.
ı1. November 1944
Der Waffenstillstandstag von 1918- und über die Schlacht- felder Europas fließt das Blut, dichter und dunkler denn je. Der ıı. November 1918 leitete nur eine Pause ein in dem Blut- bad, und weiter rast der Wahnsinn über Europa und über die Welt.
Wir haben Nebel und Regen, es schneit beinahe, so kalt ist es. Feucht und trostlos legt sich der Nebel auf das Gemüt. Keine Spur von Freude findet man. Ein schwerer Tag. Aber ich tauchte hinunter in mein Hüttenprojekt„Karistua‘‘ und träumte mich weit weg, über den Nebel hinaus, hinauf in die weißen Berge. Dort schien die Sonne.
13. November 1944
Die Kälte und das ungemütliche Wetter halten an. Von den Fronten hört man nichts Neues außer den üblichen„Kurz- meldungen“. Wie langsam erscheint es uns, wie schrecklich langsam!
Gestern, am Sonntag, war ich mehrere Stunden bei den Juden. Es ist ein Transport von tausend Juden hierher- gekommen von Auschwitz , unter ihnen sind auch zwei Nor-
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