angespanntesten Tagen, vielleicht war es, weil ich seit dem 25. Juli nichts mehr von Kari gehört habe, vielleicht auch nur das schlechte Wetter. Es ist ein unendlich schwerer und pla- gender Gedanke, daß wir noch ein halbes Jahr hier unten herum- laufen sollen- oder noch länger.
5. Oktober 1944
Gestern bekam ich endlich einen Brief von Kari. Der letzte vorher war vom 25. Juli. Seitdem erhielt ich nur einen leeren Briefumschlag mit dem Datum vom ı2. August. Aber jetzt ist die Sonne wieder durchgebrochen in meine kleine Welt, und alles ist gut..Was spielt es für eine Rolle, daß die Nach- tichten auf sich warten lassen, daß man einige kleine Wider- wärtigkeiten im Lager gehabt hat und daß einiges anders sein
- könnte. Kari und den Kindern geht es gut, ihr Gemüt ist licht, sie warten und glauben, sie hoffen und wissen.
Im Lager ist Flecktyphus ausgebrochen. Das ist allerdings schlimmer. Gestern gab es dreiundzwanzig Fälle, einen auch auf dem Norwegerblock Nr. 2. Man spricht von Quarantäne. Es kann sein, daß die Außenkommandos auf dem Arbeitsplatz wohnen sollen. Das wäre nicht dumm. Im übrigen ist es gut, wenn man drinnen bleibt und sich vor Läusen in acht nimmt. Das kann noch schwierig genug sein, selbst wenn es bis jetzt gut gegangen ist. Aber es wird schon gehen. Jetzt an Fleck- typhus krepieren, nein, das will ich nicht.
9. Oktober 1944
Ein Gespräch:
„Guten Morgen, Peter!“
„Guten Morgen- na, wie geht es?“
„Ausgezeichnet, und dir?“
Peter schlägt die Arme auseinander, zieht die Augenbrauen hoch und schiebt den Mund vor zu einem ‚„‚Tja“. Warum soll er „ausgezeichnet‘‘ antworten? Denn es geht ihm ja durchaus nicht ausgezeichnet! Er sieht müde aus, und wenn er lächelt, ist es immer, als wenn das Lächeln von etwas zurückgehalten
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