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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
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in Polen hatte er sieben Wagen verloren im Kampf mit Parti­sanen, aber er sprang quietschvergnügt aus einem der heim­gekehrten Wagen heraus und verkündete, daß er ,, noch am Leben sei, und fing sofort an, zu schimpfen und zu toben. Die Hoffnung lebt immer, aber auch sie ist total!

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8. August 1944

Die Tage schwinden mit Sonnenschein und Hoffnungen. Wenn sie auch schnell vergehen, es ist doch zu langsam für uns! Sowohl im Osten als auch im Westen ist die Geschwindig­keit jetzt untadelig ,,, sachlich" gesehen. Aber wir sind nicht sachlich. Diejenigen, die die Augenbrauen hochziehen und feierlich überlegen und mit schweren Postulaten kommen, daß der Krieg immer noch lange dauern wird sie bluffen! Die­jenigen, die dozieren, daß man wohl die Flugwaffe habe und die enorme Beweglichkeit und Schlagkraft der motorisierten Truppen- während man andererseits auch mit dem Teufel und seinem Pumpenstock rechnen müsse- sie bluffen auch. Ärger­lich ist nur, daß jeder Tag, der vergeht, ihnen recht gibt- diesen Wichtigtuern! Und ihre Stirnfalte wird immer tiefer, ihr Grabesernst immer bedeutungsvoller.

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10. August 1944

Nein, nicht alles kommt so, wie man es mit oder gegen seinen Willen hier erwartet. Es geht voran an den Fronten, behüte aber wir möchten etwas erleben, das den Vorgang beschleunigt, etwas, das das Ende herbeiführt! Einen großen Krach, und dann Schluß! Aber es blieb nur ein miẞlungenes Attentat. Die Attentäter wurden vorgestern erhängt. Einer von ihnen, Höppner, war der General, mit dem ich am 15. März 1939 in Prag zu tun hatte. Er war es, der mir mit den Flücht­lingen half. Er, der trotz allem ein anständiger Mensch war. Jetzt wurde er erhängt.

Das ist beinahe wie ein Symbol. Mir fällt ein, was er mir in Prag sagte, als ich ihm erzählte, daß zur Zeit Frauen und Kin­der draußen im Schnee lägen und frören bei zehn Grad Kälte

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