Elend gezogen worden sei, fragte ich. Ja, aber im Kampf für das Recht- und im Kampf wollen wir untergehen! Es ist hoffnungslos hoffnungslos. Zur Hölle mit dem Ganzen! Das war die einzige Folgerung, die der SS- Rottenführer Follmann ziehen konnte.
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Zur Zeit finden im Lager Hinrichtungen statt, und zwar draußen im Industriehof. Einige ,, feierliche Exekutionen" gibt es auch, zu denen prominente Persönlichkeiten erscheinen. Bei diesen Gelegenheiten wird- soviel ich erfahren habe meistens der Maßapparat( Nackenschuß) angewandt. Prügelszenen gehören täglich dazu, besonders an Samstagen, wenn vierzig bis fünfzig Gefangene zehn bis fünfzig Schläge von ihren eigenen" Bütteln bekommen. Eine öffentliche Bestrafung oder Erhängen auf dem Appellplatz hat lange nicht mehr stattgefunden. Gott weiß, warum.
Den beiden Transporten, die von dem hiesigen Depot aus nach Polen gingen, ist es schlecht ergangen. Der erste, der von Irsch geleitet wurde, scheint einem Angriff ausgesetzt gewesen zu sein. Die Teilnehmer sind schwer verletzt. Der zweite, bei dem sich Lucian befand, soll umgekommen oder von den Russen geschnappt worden sein. Erik tanzt can- can . Too good to be true!
4. August 1944
Als wir gestern ,, nach Hause" kamen, wurden wir von der Neuigkeit empfangen, daß eine Paketsperre eingetreten sei. Ebenfalls Rauchersperre. Es stellte sich jedoch heraus, daß die Rauchersperre sich auf die Einkäufe in der Kantine- also von Machorka beschränkte. Sie soll vierzehn Tage dauern. Aber die Paketsperre ist endgültig und dauernd. Es handelt sich um keine Lagerbestimmung. Das Verbot kam von höherer Stelle und bezieht sich auf das ganze Land und auf alle. Wahrscheinlich soll das Verkehrsnetz entlastet und auf den totalen Kriegseinsatz umgestellt werden.
Erik hat sich zu früh gefreut. Es war keine Stunde nach seinem wilden Freudenausbruch vergangen, als Lucian mit den Resten seines Autotransportes wieder erschien. Irgendwo
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