von dort, die in der Prinz- Albrecht- Straße in Berlin ( dem Hauptquartier der Gestapo ) arbeiteten. Gestern abend wurde eine Ladung Leichen hier in das Lager gefahren.
Gestern war Unterhaltung auf Nr. 25. Ich beteiligte mich mit einigen Nummern. Das machte Spaß. Aber es ist entsetzlich, daran zu denken, daß sie zur gleichen Zeit im Leichenhaus auf dem Revier damit beschäftigt waren, Leichen auf einen Lastwagen zu schaufeln. Das waren die Reste unserer ,, Kameraden", die an demselben Morgen gleichzeitig mit uns zur Arbeit gegangen waren. Man muß verzweifeln, wenn man der Wirklichkeit, so wie sie ist, in die Augen schaut. Man darf das in der Tat nicht tun, nicht auf diese Weise sonst hält man es nicht aus. Darum ist es richtig, Lieder zu singen, während andere Leichen schaufeln.
10. Mai 1944
Der Todesprozentsatz im Lager wird immer größer. In letzter Zeit sind jeden Monat zwei- bis dreihundert Mann auf dem Revier gestorben, abgesehen von all den anderen, die täglich hingerichtet werden oder ,, auf dem Transport sterben", wie man sagt, wenn sie mit Gas oder auf andere Weise im Lager umgebracht werden. Auch viele Norweger sind in letzter Zeit gestorben. Sie sterben meist an Lungenentzündung. Es ist ein lebensgefährliches Klima für uns hier. Nachts ist es eiskalt und tagsüber manchmal brütend warm. Das Essen ist etwas besser geworden als früher, um die Arbeitsleistung zu steigern. Aber wenn wir die Pakete von zu Hause und von den verschiedenen Rote- Kreuz- Stellen nicht gehabt hätten, wäre es uns schon schlecht gegangen. Sie retten uns.
A propos Arbeitsleistung! Die Arbeitszeit ist wieder mal verlängert worden. Wir arbeiten von morgens fünf, sechs bis abends sechs, sieben Uhr. Wir stehen um vier Uhr auf und gehen ungefähr um neun Uhr zu Bett. Irgendeine Ruhezeit dazwischen gibt es nicht, es sei denn, daß einige wenige eine solche Arbeit haben, daß sie sich ab und zu fortstehlen können, um zwischendurch zu schlafen. Um die Arbeitsleistung zu steigern, bekommen wir, wie gesagt, eine bessere Kost. Trotz
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