auch innerhalb des Lagers gefunden haben. Die Aktion hatte zur Aufgabe, sie zu finden. Als wir gestern von der Arbeit hereinmarschierten, wurden alle Bibelforscher am Appellplatz aufgestellt und gefilzt, d. h. sie wurden ausgezogen und durch und durch untersucht. Einige andere Gefangene wurden auch zur Seite genommen und auf die gleiche Weise untersucht. Wir waren nicht wenig nervös, als wir durch einen Spießrutengang von SS- Leuten, Blockältesten und sogar Gestapoleuten hindurchmarschierten. Die meisten von uns hatten ja Pfeifen, Zigarettenmundstücke, Streichhölzer und Tabak bei sich. Lauter verbotene Sachen. Ich hatte alles mit Ausnahme von Tabak. Für solche Dinge gibt es fünfundzwanzig Schläge. Das ist das tägliche Lied. Das Schlimmste ist, daß es Gefangene, sogenannte ,, Kameraden" sind, die Büttel spielen. Meines Wissens hat man sie noch nicht dazu gezwungen, ein solches Handwerk auszuüben. Das wäre nicht nötig gewesen.
2. Mai 1944
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Jeden Sonntag sind Fußballkämpfe. Sonntag zwischen Norwegen- Tschechoslowakei und Deutschland- Polen. Norwegen gewann, Polen verlor. Diese Kämpfe werden manchmal leidenschaftlich geführt. Das Blut gerät in Wallung und es kommt vor, daß die Spieler mit den Fäusten aufeinander losgehen. Im Kampf zwischen Polen und Deutschland mußten zwei Spieler das Feld verlassen, weil sie die Fäuste gebraucht hatten, nachdem bereits zwei andere weggetragen worden waren kampfunfähig. Die Polen hassen die Deutschen glühend. Gestern waren die Parteien folgendermaßen zusammengelegt: Deutschland- Tschechoslowakei gegen Norwegen- Polen . Der Kampf mußte abgebrochen werden wegen regelrechter Schlägereien zwischen den Parteien. Sie warfen sich auf dem Platz in den Dreck und schlugen aufeinander los, während es in Strömen regnete, der Richter seine Pfeife blies und das Publikum brüllte. Feiner Kampf! Gleich nebenan liegen Menschen und sterben. Sachsenhausen!
Gestern war ich Zeuge einer typischen Sachsenhausen- Idylle. Während der Fußballkampf am schlimmsten tobte, kamen zwei
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