zu sein mit dieser Art von Rechtspflege. Ich glaube übrigens, daß die meisten Norweger noch auf so etwas reagieren. Der Erschossene war ein ausgehungerter armer Ukrainer, der ein Brot sah, das doch verbrannt wäre. Beim Abendappell bekamen vier Mann je fünfzehn Stockschläge, angeblich, weil sie während des Bombenangriffs genascht hatten. Einige Baracken marschierten vom Platz weg, bevor diese Szene vorüber war. Blockchefs gaben den Befehl, ohne das Zeichen zum Abmarsch bekommen zu haben. Sie wurden wahnsinnig angeschnauzt vom Lagerältesten, der wie ein Verrückter herumlief. Ich sah, wie er zwei Leuten mitten ins Gesicht schlug ohne jeglichen Anlaß( geschweige denn Recht). Der eine fiel auf den Boden, versuchte, sich zu erheben, sank aber wieder zusammen. Fr hatte den Kopf verbunden und wollte wahrscheinlich zum Revier gehen.
24. März 1944
Gestern kam kein Fliegerangriff, aber in anderer Beziehung war es ein harter Tag. Wir mußten nämlich alle miteinander Bretter schleppen. Unser Lager soll verlegt werden, da ja bei dem Brand neulich im ganzen zehn Baracken und Werkstätten zerstört wurden. Heute sitze ich hier im Büro, bin leer im Kopf und habe Muskelkater in den Gliedern nach den Strapazen des gestrigen Tages.
27. März 1944
Der Sonntag verlief wie andere Sonntage- oder Alltage. Die meisten schlafen. Ich machte wie üblich Krankenbesuche. Frode geht es sehr gut. Er ist praktisch genommen gesund, schält sich jetzt und hat zwei bis drei Wochen Ferien vor sich. Er bekam Nachricht von zu Hause und hat erfahren, daß auch Hannagreta nach Deutschland geschickt worden ist. Sie befindet sich in Ravensbrück , und er wird wohl bald Verbindung mit ihr bekommen. Ich sagte Henry guten Tag. Es geht ihm besser. Eine Aktion, die im Gange ist, um ihn frei zu bekommen und nach Hause zu schicken, scheint tatsächlich Erfolg zu haben. Er hofft selbst etwas darauf, und das hilft, daß es aufwärts mit ihm geht. Gott gebe, daß es klappt!
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