dem Revier hinausgeworfen und mußte harte Arbeit leisten wie Steineschleppen und dergleichen. Leif hatte im Anfang nicht viel zu sagen, er war ja nur Krankenaufseher. Ein SS- Arzt war für alles zuständig. Ihm zur Seite stand eine Reihe Gefangener Berufsmit grünen Winkeln. Sie wurden BVs genannt verbrecher.
Man erwartet noch mehrere Transporte aus Norwegen hierher. Zwei vor Weihnachten heißt es. Nicht weniger als dreihundert Geiseln hat man genommen. Ich bin kein Einzelfall mehr. Es befindet sich übrigens noch ein Geiselgefangener seit über zwei Jahren hier. Er war allerdings auch als ein großer Gegner Deutschlands bekannt.
16. Dezember 1943
Es herrscht kein Zweifel mehr darüber, daß Weihnachten vor der Tür steht. Alle Kommandos haben mehrere Mann beschäftigt, zum Teil sogar mit Überstundenarbeit, das heißt mehr als zwölf Stunden Arbeitszeit, damit die Spielsachen der SS - Herren fertig werden. Unser abscheulicher Freund, Herr Irsch, hat in einer der Werkstätten ein Miniaturauto für seinen Sohn anfertigen lassen. Ich habe es nicht gesehen, aber Joop hat es mir beschrieben. Es besteht ganz aus Metall und ist ein Stromlinienmodell. Im Innern ist es gepolstert und mit Leder überzogen, außen spritzlackiert. Es soll bildschön sein. Solche Autos haben bisher nur Millionärskinder in Amerika bekommen. Und hier läßt ein SS- Oberscharführer so etwas herstellen mit Hilfe von Gefangenen, die für ,, kriegswichtige" Arbeit hier gehalten werden!
Sieh mal an! Da erscheint nun gerade SS- Scharführer Hellwig. Ich dachte, die Türe sei abgeschlossen, aber ich hatte mich getäuscht. Er kam direkt herein, sah, daß ich dasaß und schrieb, nahm dies Blatt in die Hand und fragte, ob ich denn wirklich so klein schreiben könne ohne Mikroskop. Im übrigen beruhigte er mich mit der Behauptung, daß er nicht gefährlich sei und nichts gesehen habe. Hellwig ist der einzige Nette von den Leuten hier, ich glaube auch, daß er in Ordnung ist. So sehr interessierte er sich aber doch für mein Manuskript, daß
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