seine Schüssel oder Eßwarentasche darunter. Nichts darf verlorengehen. Es ist schrecklich, es zu sagen, aber er ist nicht viel anders als ein Tier. Man gewöhnt sich geradezu daran, ihn und seine Kollegen auf diese Weise zu sehen. Sie kämpfen auch um den Abfall- wie Tiere- knurren, schnauben, zeigen die Zähne und wedeln vor uns mit dem ganzen Körper, um mehr zu bekommen- wie Tiere.
Was für ein Leben! Was für ein wahnsinniges, idiotisches, weggeworfenes Leben!
7. November 1943
Gestern haben wir gebadet. Darüber ließe sich eine besondere Geschichte erzählen. Eine Geschichte vom Wahnsinn. Die ganze Baracke, bestehend aus ungefähr dreihundert Mann, badet auf einmal. Alle werden zur gleichen Zeit aus der Baracke hinauskommandiert- in der Regel, während wir unser Abendbrot einnehmen. Die Mahlzeit muß dann sofort abgebrochen werden. Es wird gebrüllt, geschimpft, geschoben, gedrängt und geflucht hin zu den Schränken, zu den Kleidern, und dann in die Kälte hinaus. Es muß auch alles weggeräumt werden, denn Essen oder sonstige Gegenstände wie Kleider, ganz zu schweigen von Tabak, die liegenbleiben, werden immer gestohlen. Ganz einfach gestohlen, nicht etwa ,, organisiert". Der Stuben älteste und andere ,, Vorgesetzte " sind um kein Haar besser als die anderen, sie klauen auch wie die Raben. Kein einziger Tag vergeht, an dem nicht etwas von den Tischen weggestohlen wird- oder auch aus den Schränken heraus. Sogar die Stiefel werden einem von den Beinen weggestohlen und die Kleider vom Körper, wenn man nicht ständig achtgibt und seinen nächsten Freund verdächtigt, daß er gerade unterwegs ist, um zu ,, organisieren". Dieser verdammte Ausdruck zerstört das Gewissen und die Anständigkeit. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen mein und dein. Daß man zum Dieb wird, zu einem abscheulichen Schwindler und Taugenichts, das rührt keinen mehr. Nur früher einmal war das so, vor langer, langer Zeit, in einer anderen Welt! Daß es diese Welt ist, für die wir kämpfen und in die wir einmal zurückkehren sollen, darüber
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