eine Rettung aus dem Gedränge und Getümmel, das überall sonst herrscht. Überall! In dieser Beziehung ist die Arbeit- wie so oft auch sonst im Leben- auch hier zu einem Segen geworden. ,, Endlich werden wir für viele Stunden Ruhe haben!" seufzen wir, wenn wir müde und mit wunden Füßen auf unseren Stuhl niedersinken und allmählich anfangen, einen Plan für den vor uns liegenden Tag zu machen.
Ja, mit wunden Füßen! Die Füße sind ein Kapitel für sich. Ich habe bereits erzählt, daß ich meine Holzstücke gegen solche eingetauscht habe, die ein wenig besser sind. Aber nach einigen Tagen bekam ich trotzdem große Blasen unter den Füßen. Es war, als ob man auf glühenden, mit Messern durchsetzten Eisen ginge. Wir müssen jeden Tag mehrere Kilometer zurücklegen, und man kann sich vorstellen, was das bedeutet. Nachdem ich noch einmal getauscht habe, hat sich mir eine ebenso brennende wie schmerzhafte Wunde an jedem Hacken gebildet. Ein Gang über den Fußboden verursacht schon die unausstehlichsten Schmerzen- erst recht der Marsch zum Mittagessen. Ich versuche, mit steifen Beinen zu laufen, so daß das Reiben in den ,, Schuhen" vermieden wird. Aber dann muß man langsam gehen, und das ist unmöglich, wenn man in der Kolonne marschiert. Außer den wunden Füßen gibt es noch einen Körperteil, der genannt werden muß, wenn man einen Eindruck von unserem Zustand im allgemeinen gewinnen will. Das ist der Magen! Er ist voll von Kohl. Immer voll von Kohl und Wasser. Wir fühlen uns nie satt, aber immer voll und aufgeblasen. Ein höchst unangenehmes Gefühl, das nicht besser wird bei all den Berichten, die wir von unseren Kameraden erhalten, die ,, Scheißerei" bekamen und ,, in den Schornstein gingen". Eriks Beine schwellen ständig an. Ein unheimliches Zeichen. Uns anderen ist bis jetzt nichts passiert. Wir füttern Erik mit Din soviel B- Vitaminen und stärkehaltiger Nahrung, als wir bekommen können. Jetzt geht es ihm etwas besser. Aber wir laufen doch alle herum mit einer ständigen mehr oder weniger bewußten Angst davor, daß die Beine anschwellen und wir magenkrank werden könnten oder daß ein anderes Übel uns auf das Revier bringen könnte. Das ist dann der erste Schritt zum Krematorium.
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