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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
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Zählen an der Bürobaracke innerhalb des Haupteingangs­gebäudes aufgestellt. Nun sollte uns auch unsere Arbeit zu­geteilt werden. Erik hatte sich auf der Liste als Fachmann für Holzgeneratoren einschreiben lassen, um auf dasselbe Kom­mando zu kommen wie Frode und ich. Trotz aller vorherigen Versicherungen klappte es durchaus nicht. Der ,, Direktor" wurde entlarvt, da er überhaupt noch nie einen Holzgas­generator aus der Nähe gesehen hatte. Als Strafe bekam er eine harte Arbeit in der Fahrbereitschaft zugewiesen. Er mußte die Autos waschen und sauber machen, ehe sie nach der Reparatur die Werkstatt verließen. Frode und mir ging es besser: Wir wurden sofort beiseitegeschoben: ,, Also die zwei Holzschnitzer - jawohl, drüben aufstellen und warten!" Vom ersten Augen­blick an verstanden wir, daß dies ein Schwindel war. Wir sollten unterschlagen werden und privat für die Schweinehunde arbeiten. Als alle ihre Arbeit bekommen hatten, mußten wir demjenigen, der die Arbeit verteilt hatte- Irsch hieß er-, auf sein Büro folgen. Nach einigen Überlegungen bestimmte er, daß wir uns vorläufig, bis ein Raum für uns freigemacht wor­den wäre, auf der Anstreicherwerkstätte aufhalten sollten. Der Vorarbeiter war gerade auf dem Büro und wurde ange­wiesen, uns Papier und Bleistifte zu besorgen, damit wir einige Skizzen machen konnten. Als Motiv für unsere Holzschnitzer­künste dachte sich Herr Irsch jetzt in der Eile einen ,, Hirsch in der Brunstzeit" aus. Ob wir einen Hirsch kennten und auch wüßten, was ,, brünstig" sei? Nein? Na, dann-. Irsch dachte weiter und quetschte noch eine phantastische Idee aus seinem Kopf, nämlich ein Liebespaar- oder ein ,, Hirtenmotiv", wie er es nannte. Danach überlegte er sich noch ein drittes Motiv, nämlich eine Vase mit schönen Rosen. Und dies alles hatte er sich als geschnitzte Reliefs( ich hatte ihm gesagt, daß Reliefs meine Spezialität seien) auf dem Boden von hölzernen Obst­schalen vorgestellt. Doch, wir waren im Grunde genommen ganz zufrieden mit den Aufträgen, als wir mit Irsch und dem Vorarbeiter zusammen in die Anstreicherwerkstatt gingen. Das war eine große Baracke, voll von Autos und Leuten, die Lack spritzten oder ähnliche Arbeiten verrichteten. Ein durch­

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