Volkes seien; die Mehrheit denke und empfinde hinsichtlich der neuen Zeit und ihrer Männer ebenso wie wir. Er erzählte, was er selbst, erst in Stavanger und dann hier als Gefangener, erlebt, und war aufgewühlt, empört, verzweifelt- war jedoch der Meinung, daß das meiste auf Depressionen und auf Angst zurückzuführen sei.
6. Oktober 1943
Es dauerte nicht mehr lange, da erklärte Hövre Johansen, der Vorarbeiter meines Strafkommandos, es werde im Lager keinen Frieden geben, bis Nansen weg sei. Eines Abends stand ich vor Denzers Thron. Er eröffnete mir ,,, mein Maß sei voll", ich solle nun nach Deutschland kommen und ein deutsches ,, KZ" kennen lernen.
Und dann begann die Reise. Erik und Frode landeten mit mir in derselben Gruppe. Seitdem hat sich alles rasch und betäubend entwickelt. Sachsenhausen! Es wird kaum möglich sein, das lebendig genug zu schildern. Ein Eindruck nach dem andern stürmte auf uns ein, ja, manchmal eine ganze Reihe auf einmal- überwältigend, niederschmetternd, lähmend. All das Neue bricht wie eine Sturmflut über uns herein. Wir sind noch lange nicht zur Ruhe gekommen- noch haben wir irgendwie begonnen, uns zurechtzufinden. Nein, wir können noch nicht einmal sagen, daß wir eine Ahnung davon haben, wie dies alles überhaupt ist. Doch ich will von vorne beginnen.
Wir lagen in einem Viehwagen, steif und müde nach einer Nacht und einem Tag ohne Schlaf und Ruhe, als der Zug plötzlich mit einem Ruck auf einem Bahnhof hielt. Auf einem Schild stand: ORANIENBURG. Wir machten uns ,, fertig" und warteten. Wir nahmen an, daß wir hier heraus sollten. Aber nein. Der Zug schob uns hin und her, so ungefähr sechsmal. Die Bremsen kreischten und schrien, die Lokomotive stöhnte und prustete, die Wagen wurden hin und her gezerrt, und jedesmal wurden wir durcheinander geworfen mit unseren Pappschachteln, Schlafsäcken und Resten von Eẞwaren, die wir aufzuessen versuchten, bevor wir aus dem Wagen sollten. Aber plötzlich ging der Zug weiter. Er hielt erst, als wir an
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