sich selbst und seinen eigenen Gedanken zu schaffen hätte, die einem ja die Seele aus dem Leib herauspeinigen können.-
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,, Nun, bist du noch nicht entlassen?" Wie oft mußte ich heute schon die Frage hören. Ich weiß es nicht- aber ich weiß, daß es jedesmal da drinnen irgendwo weh tut. Mein Verhör und daß es vielleicht mit der Entlassung zusammenhängt davon wissen sie natürlich alle. Und dann, im Vorübergehen, immer wieder diese Frage. Ich sitze hier und weiß, daß ich nicht entlassen werde. Es wäre nur Verrücktheit, an etwas anderes zu glauben. Alles spricht doch deutlich genug. Mich entlassen sie nicht.
14. Juli 1942
Daß sie Greise zu Krüppeln machen und kleine Kinder und Frauen peinigen, das wissen wir. Das ist alltäglich. Doch sind dies Dinge, mit denen wir nicht spaßen dürfen; sie senken sich in das Gemüt, sie nisten sich dort fest und werfen schwarze Schatten über unser Dasein. Gott helfe uns allen, wenn die Stunde der Vergeltung kommt. Wieder stehen jene letzten Worte Anton Bös vor mir: ,, Grüße jene, die von der anderen Seite kommen, und bitte sie, nicht so vorzugehen, wie diese hier!"
Oh, daß mir doch Gelegenheit geboten werde, den letzten Wunsch des Bauernjungen auch an andere heranzutragen.
16. Juli 1942
Heute morgen lötete ich eine Büchse zu mit Tagebuchblättern, und weitere Kapitel verschwanden aus dem Hause. Ich fühle mich jedesmal erleichtert hinterher, und wünschte mir beinah, daß eine Inspektion und Hausdurchsuchung käme, nur damit sie feststellten, daß bei mir nichts vorhanden ist."
Ich
Aber bevor der Tag zu Ende ist, fange ich von neuem an. kann es einfach nicht lassen. Mir würde wirklich etwas fehlen, wenn ich diese Nachtstunden nicht mehr hätte. So viele sonderbare Stimmungen, so viele seltsame Erlebnisse, so viel starker dramatischer Stoff wird mir aus diesen Blättern entgegen
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