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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
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empfangen ihre warmen Strahlen, aber trotzdem tauen sie nicht auf. Irgend etwas ist zu tief in ihnen eingefroren, etwas, wohin die Sonne nicht mehr dringen kann. Etwas, das sich fest­zusetzen, das zu einem Eisgletscher im Gemüt zu werden droht.

Das Gebrüll des Wachtpostens von dort, wo die Straf kolonne arbeitet, durchschneidet den beginnenden Tag; das Geräusch von hundert Hacken und Spaten gegen die gefrorene Erde er­füllt die Luft und übertönt das Vogelzwitschern und den mur­melnden Bach, der sich um das ,, Straffeld" schlängelt.

Oben in der Krankenstube liegen die zuschanden Geschla­genen mit ihren Gedanken. Sie erinnern sich an jede Einzelheit. So etwas kann man nicht vergessen. Wie grotesk sind solche Gedanken doch an einem Frühlingsmorgen! Und auf den Arbeitsplätzen gehen Gefangene umher und geben sich Mühe, nicht an das zu denken, was ihrer wartet.

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So war der Frühling früher nie! Noch nie so schmerzlich, nie so seltsam, so entkräftend..

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Aber die Sonne stieg noch höher und gelangte schließlich auch in dunkle Ecken, wo die Winterkälte sich verborgen hielt, und noch ehe die Mittagsstunde schlug, hatte der Früh­ling Fuß gefaßt auch dort, wo das Dunkel am tiefsten und die Kälte am schlimmsten war. Die Kräfte nahmen zu, der Lebens­mut wuchs, und die Hoffnung, die ewige, keimte im Frühlings­tag.

30. April 1942

Heute morgen, bevor wir anderen aufgestanden waren, schickte man sie fort: die zum Tod Verurteilten der Aalesund­gruppe. Der Obersturmführer war selbst zugegen, hielt ihnen eine donnernde Ansprache, und schlug sie mit der Reitpeitsche vor Wut. Der Widerhall davon drang bis in den Raum, den wir im Hauptgebäude innehatten, und vom Fenster aus konnten wir das, was sich da abspielte, beobachten. Einer der Wacht­posten erzählte davon. Er war außer sich und tief entrüstet über das Benehmen seines Vorgesetzten. Bevor man sie losschickte, wurden ihnen Handschellen angelegt. Man kettete sie je zwei

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