Druckschrift 
Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen

von Freyheit der erſcheinenden Handlungen ſpre⸗ chen zu wollen. Alles Pfychologiſche ſchlieſst ſich, als Gegenſtand der Wahrnehmung, an die Reihe des Mechaniſchen, Chemiſchen, Organiſchen an, und bildet gemeinſchaftlich mit dieſen be- ſondern Mebenarten, die Hauptgattung des Phy- ſiſchen. Und wenn es ein moraliſches Geſetz giebt, ſo muſs auch dies eins von den Maturge- ſetzen ſeyn, wodurch alle Erſcheinungen in der Sinnenwelt nothwendig in der Zeit beſtimt wer- den. Seine Gültigkeit kann folglich nur auf die Fälle ſeiner Wirkſamkeit eingeſchränkt feyn. Pflicht, Verbindlichkeit, Tugend und Laſter, Verdienſt und Schuld find leere bedeutungsloſe Worte, weil dieſer Theorie zufolge bey der Be- urtheilung menſchlicher Handlungen, nur von Thaten und Begebenheiten, von Glück und Un- glück, Vergnügen und Leiden, die Rede ſeyn kann. So einleuchtend wahr und richtig dieſe Folgerun- gen ſind, ſo haben doch mehrere ältere und neuere Determiniſten dieſelben zum Theil läugnen wol- len. Um die Freyheit der menſchlichen Hand- lungen wenigſtens noch zur Hälfte zu retten, be- haupteten ſie: Nur das Vergangene ſey nothwen- dig beſtimmt, das Zukünftige aber ſtehe noch in unſerer freyen Gewalt. Pine offenbar ganz leere Diſtinktion! Pann unläugbar muſs eben dieſem

Syſtem