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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
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Vernunft wenigſtens, praktiſche Freyheit, Un- abhängigkeit von dem allgemein zwingenden Pin- fluſs thieriſcher Gefühle beylegen? Welcher wird nicht alle Augenblicke fich von dieſer Freyheit, die überzeugendſten Beweiſe zu geben im Stande ſeyn? Ganz anders iſt es mit dem empiriſch ſinn- lichen Determinimu, der dem Menſchen ſeine Vernunft ſo wenig ſtreitig macht, daſs er viel- mehr ſelbſt die ſtrengſten Forderungen derſelben, in ihrem empiriſchen Gebrauche befriedigt. Nach dieſem Syſtem iſt nun freylich der Menſch nicht durch anziehende und zurückſtoſsende Kraft, wie die Maſchine, auch nicht bloſs durch Gefühl und Inſtinkt wie das Thier, ſondern hauptſachlich durch Gedanken wirkſam, allein alle dieſe Ge- danken ſind denn doch in Anſehung ihres Entſte- hens und Verſchwindens, ihres Wiederkommens und Aushleibens, in Anſehung der Zunahme und Abnahme ihrer Klarheit, Lebhaftigkeit und Wirk- ſamkeit, kurz in Anſehung ihrer Erſcheinung und Abwechſelung eben ſo gut, wie alle andere Phä- nomene der Sinnenwelt, nothwendig beſtimt. In allen angegebenen Fällen geht jedesmal vor dem Zuſtand der Handlung, die wir wahrnehmen, ein andrer Zuſtand unſres Gemüths und der veran- laſſenden Auſſendinge der Zeit nach voraus, auf welchen jener regelmäſsig und nothwendig erfolgt,

ſo