Druckschrift 
Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
Seite
230
Einzelbild herunterladen

lichen Weſens einen moraliſch beſtimmenden Fin- fluſs zu haben, oder mit andern Worten, eine unumſchränkte moraliſche Freyheit des Willens an ſich ſelbſt nicht mehr vernünftig denkbar. Der Beweis für dieſe Behauptung iſt ſchon oben ge⸗ führt worden. Allein es ſey mir erlaubt, hier noch einige Einwürfe zu erwähnen, die in der ſonſt ſo vortreflichen Rezenſion der erſten Aus- gabe der Schmidiſchen Moralphiloſophie im 108ten Stück der Ienaer Allg. Litt. Zeitung vom Iahr 1791. dagegen gemacht worden ſind. Der Rez. ſagt hier S. 59.

Schmid glaubt, moraliſche Freyheit als un- eingeſchränktes Vermögen der Vernunft aufallę Wahrnehmbaren Handlungen eines endlichen vernünftigen Weſens einen beſtimmenden Pin- fluſs zu haben, um ſie dadurch zu moraliſchen Zu machen, ſey allen Geſetzen des vernünftigen Denkens zuwider. Rezenſent begreift nicht, wie dies folgen[olle. EFr kann ſich eine moraliſche Freyheit in dem Umfang gedenken, ohne Wi- derſinn, wenn er nicht auf die beſondern Ver- hältniſſe vernünftig ſinnlicher frey mechaniſcher Weſen Rückſicht nimmt.

Verſteht Rez., wie es nicht anders ſeyn kann, unter dieſen beſondern Verhältniſſen diejenigen, welche aus dem Zugleichſeyn der Vernunft und

der