Allein ſobald nur die Vernunft zu einer freyern grõſseren Thätigkeit gelangte, ſo kündigte ſie ſich auch als Geſetzgeberin ſo deutlich, ſo be- ſtimt, ſo unwandelbar an, daſs der Unterſchied zwiſchen dem, was wirklich geſchah, und was geſchehen ſollte, auch dem rohern ungebildetern Menſchen der Vorwelt in die Augen ſpringen
muſste.
Das prachtvolle Schauſpiel dieſes Weltalls; der ehrfurchterregende Anblickder Sonne, des geſtirn- ten Himmels, eines Regenbogens; die unendlichen Mannichfaltigkeiten der Natur, welche durch alle Finne?Zugleich auf die noch leere Seele des Men- ſchen wirkten, ergriffen dieſelbe gan?z, und brach- ten in ihr eine lenhafte. obgleich blos allgemeine, noch durchaus verworrene Vorſtellung ohne be- ſtimmten Begriff hervor. Dieſes Chaos ordnete ſich allmählig, die Gegenſtände erhielten ihre Um- riſſe, vereinzelten, trennten ſich; und die Begriffe von Zahl und Gröſse fiengen an hervorzutreten. Auf die erſte verworrene Vorſtellung, auf jene allgemeine Erſchütterung der Seele folgte ein finn- loſes Staunen; aber bald hernach machte der Prang der Bewunderung ſich gewaltfam Raum, und ehe der Menſch ſich zu beſinnen vermochte, fühlte er ſchon Regungen der Sehnſucht und Anbdtung in ſich entſtehen. Dies iſt der Augenblick. in welchem ſein ſittliches Organ zuerſt ſich äuferte, man ſ. lakobi über die Lehre des Spinoza in Briefen an Mendelsſohn Beylage II.§. 308.


