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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
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in ihrer ganzen noch ungeſchwächten Kraft ge⸗ wirkt Raben müfſen. Und dießs beſtätigt auch durchgehends die Geſchichte. Ihrem Zeugniſs zufolge war ſogat das Gefühl der Fingeſchränkt- heit unſers moraliſchen Könnens noch ſtärker bey den Menſchen der Vorwelt, als das Bewuſstfeyn ihrer Freyheit, uhd auch diqs iſt erklärbär.

Zu einer Zeit, wo dis Sinnlichkeit des Menſchen in ihrer ganzen Kraft und Stärke ſchon wirkte, während die Vernunft fich erſt zu bil- den begann, zu einer folchen Zeit mußte noth- wendig das erſtere Vermögen in der Erſcheinung praedominiren.*)

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*) Sehr richtig iſt daher die Bemerkung, die der Abt Gaino?(Memoires de PAcademie des Inſcript. Tom. 19. überſezt in Gatterers hiſtoriſcher Biblio- thek Band X. Seite 29.) beim Herodot dem älteſten Griechiſchen Geſchichtſchreiber mächt, dafs unter den Maximen, die er bei ſeiner Geſchichte zum Grund legt, und auf die er feine Begebenheiten, [o oft er nur kann; zurückführt, die beiden fol⸗ genden hauptfächlich hervorſtechen 1) Man Kann ſich dem Willen des Schickſals nicht entziehen.

2) Alles iſt dem Eigenſinn einer neidiſchen Gott-

peit unterworfen, die ein Vetgnügen darin indet, den Stolz uud die Eitelkeit der Menſchen 2u hin-

tergchen und ihre Glückſeligkeit zu trüben.