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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
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laſſen. Ich ſtelle Freyheit hier noch blos als Fak- tum des Bewuſstſeyns auf, und gehe ohne über ihre Realität zu entſcheiden, ſogleich zu einem andern Faktum des Bewuſstſeyns über, das dem vorigen gerade entgegen geſetzt zu ſeyn ſcheint, zu dem Bewuſstſeyn der Fingeſchrdnktheit unſeres moraliſchen Konnens. Obgleich die Behauptung eines ſolchen unmittelbaren Bewufstſeyns nichts weniger als neu iſt, ſo fürchte ich dennoch um ſo mehr Widerſpruch dagegen zu erfahren, da beſonders in der neueſten Periode der Philoſophie einige der gröſsten Denker in der Lehre von der Freyheit des Willens ſogar die Geſetze des Den- kens als entbehrliche und an den Fatalismus ſchmiedende Feſſeln verwerfen zu müſſen ge⸗ glaubt haben.

Allein ich berufe mich auf das Selbſtbewuſst- ſeyn eines jeden unbefangenen Menſchen, und ich bin überzeugt: es wird für die Wahrheit dieſer Behauptung entſcheiden, daſs mit dem Bewuſst- feyn des moraliſchen Follens nicht immer das Be- wutſeyn des moraliſchen Könnens verknüpft ſey, daſs wir im Gegentheil die Eingeſchränktheit un- ſers moraliſchen Könnens oft nur zu ſtark, zu lebhaft empfinden. Wie oft fühlen wir uns nicht zu einer Handlung unwillkührlich fortge-

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