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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
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nicht droheſt, was natürliche Abneigung im Ge- müthe erregte und ſchrekte, um den Willen zu bewegen, ſondern blos ein Geſetz aufſtelleſt, welches von ſelbſt im Gemüthe Fingang findet, und doch fich felbſt wider Willen Verehrung (wenn gleich nicht immer Befolgung) erwirbt, vor dem alle Neigungen verſtummen, wenn ſie gleich insgeheim ihm entgegen wirken, welches iſt der deiner würdige Urſprung, und wo findet man die Wurzel deiner edlen Abkunft, welche alle Verwandſchaft mit Neigungen ſtolz aus- ſchlägt, und von welcher Wurzel abzuſtammen die unnachlaſsliche Bedingung desjenigen Werths iſt, den ſich Menſchen allein felbſt geben kön- nen? Fs kann nichts minderes ſeyn, ffährt er gleich darauf fort, als was den Menſchen über

ſich

Und reizendem Gewinn das niedere Gefühl

Für ihre Herrſchaft mich mit füſsem Zwang beſte- chen,

Die Tugend an der Sinnlichkeit zu rächen

Mit der Vernunft Minervaſchild

Bedekt des Gegners Rieſenbild

Mit kühnem Muthe zu beſiegen,

Dies iſt das groſse Aufgebot an euch

Ihr Bürger in dem Fittenreich.

Hoch über Welten flammt in ſonnenhellen Zügen,

Hell wie es euch im eignen Buſen ſpricht

Das richtende Geſetz der Pflicht.