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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
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abhängig von beſtimmenden Urſachen der Sinnen- welt, urtheilen über Handlungen, daſs ſie hät- ten geſchehen ſollen, ob ſie gleich nicht geſchehen ſind.Pflicht, fragt daher Kant in der feyer- lich erhabenen Stelle der Kritik der praktiſchen Vernunft Seite 154Pflicht! du erhabener gro- ſser Nahme, der du nichts beliebtes was Pin- ſchmeichelung bey fich führt, in dir faſfeſt, ſon- dern Unterwerfung verlangſt,*) doch auch

nicht

*) Wahr und ſchön ſagt daher Kant in einer andern Stelle:

Die Ehrwürdigkeit der Pflicht hat nichts mit Le- bensgenuſs zu ſchaffen. Sie hat ihr eigenthümli- ches Geletz und auch ihr eigenthümliches Gericht.

Eſto bonus miles, tutor bonus arbiter idem Integer; amhiguae ſi quando citabere teſtis Incertaeque rei, Phalaris licet imperet, ut ſis Falſus, et admoto dictet periuria tauro; Summum erede nefas, animam praeferre pudori, Ft prapter vitam vivendi perdere cauſas. Ich unterliege der Verſuchung dieſen beyden tref lichen Stellen noch eine dritte aus dem vorhin an⸗ geführten Gedichte beyzufügen Die Tugend weil fie Tugend iſt zu lieben In ihrem Kampfe ſich mit arbeitvoller Müh' Auch dann noch, lohnete der Kranz dem Kämpfer nie Fin Unterthan der Pflicht mit Freudigkeit zu üben Wul auch verrätheriſch durch ſüſser Lockung Spiel.