Druckschrift 
Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen

9

Bewuſtſeyn des moraliſchen Geſetzes, fondern nothwendige Bedingung deſſelben, denn nur in- wiefern wir uns als freye d. h. von der Sinnen- welt von phyſiſchen Geſetzen unabhängige Weſen betrachten, nur inſofern können wir uns eine Handlungsweiſe vorſchreiben, die unbedingt und algemeingultig iſt. Fine ſolche Handlungsweiſe, ein ſolches Geſetz iſt eigentlich das Reſultat un⸗ ſerer Freyheit, gründet fich einzig auf das Be- wuſstſeyn unſerer Perſõnlichkeit, unſerer weſentli- chen unwergleichbaren und unbedingten Würde*)

In dieſem Bewußstſeyn erklären wir unſern Willen für frey von allem äuſern Zwang, für un- A 5 abhän-

ſche und moraliſche Freyheit häufig mit einander verwechſelt werden, iſt wohl unläugbar. Aber daraus folgt noch nicht, daſs wir uns der morali- ſchen Freyheit gar nicht unmittelbar bewuſst würden.

*) Kant nennt daher auch die Freyheit das principium eſſendi des moraliſchen Geſetzes. Wenn er aber das leztere zum alleinigen principio cognoſcendi der erſtern macht,[o kan ich ihm darin nicht bey- pflichten; denn das Bewußstſeyn der Freyheit iſt nicht nur vor der Entwicklung des moraliſchen Geſetzes ſſchon wirkſam, fondern es führt auch eine fo einfache ſo zuverſichtliche Gewiſsheit mit ſich, dafs man es nothwendig für ein urſprüngli- ches bnmittelbares Bewuſstſeyn erklären muß.