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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
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es iſt die ewige Regel aller Handlungen eines je- den Menſchen, das Urbild das ihm beſtändig dunk- ler oder deutlicher vorſchwebt, es liegt in jedem, als ein dem Weſen nach deutlich zu ver- ſtehendes und in ſich ſelbſt vollendetes Ganze. Wir haben einen Freund in uns ein zZartes Heiligthum in unferer Seele, wo die Stimme und Abſicht Gottes lange Zeit ſehr hell und klar wieder tönet. Die Alten nanten ſie den Ddmon, den guten Genius des Menſchen, dem ſie mit ſo vieler Jugendliebe huldigten, mit ſo vieler Fhr- furcht folgten. Chriſtus begreifts unter dem klaren Auge das des Lebens Licht iſt und den ganzen Leib licht macht. David bittet darum, als um den guten und freudigen Lebengeiſt, der ihn auf rechter ebener Bahn führe, u. f.- gen wirs nun Gewiſen, innern Sinn, Vernunft, den Noo in uns nennen, oder wie wir wollen; genug es ſpricht laut und deutlich zumal in der Jugend, ehe es durch wilde Stimmen von auſen und innen, durch das Gebrauſe der Leidenſchaft und das Geſchwätz einer klügelnden Unwernunft allmälig geſchweigt oder irre gemacht wird. Wehe dem, bey dem es ſo ſtumm und irre ge- macht ward! er wird allmälig ohne Gott in der Welt, geht wie ein irres Schaaf umher, ohne geſunden moraliſchen Sinn, ohne das

Gött-