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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
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Göttliche in einer Sache des Lebens an ſich und andren zu fühlen. Laſs nun einen Schwät?er und Zweifler dagegen ſagen, was er will: Er- ahrung geht über Geſchwät? und Zweifel.*)

Der Unterſchied zwiſchen dem, was geſchieht und was geſchehen ſoll, iſt daher auch ſelbſt der ge- meinſten Menſchenvernunft geläufig, und ſie müſste aufhören, Vernunft zu ſeyn, was ſie weder kann noch darf, wenn ſie ihn verken- nen oder bezweifeln wollte. Selbſt der größste Böſewicht muſs ihn anerkennen, ſein Geift muſs ſich vor dem hohen Ideal der Sittlichkeit beugen, das unvertilgbar ihn an ſeine Pflichten erinnert, das ſo oft und ſo richterlich ſtreng ſeine Laſter- thaten verdammt, er mußs fich vor dieſem hohen Urbild beugen, ſo wenig er auch ihm ſich anzunähern ſtrebt; er muſs es bekennen, daſs das moraliſche Geſetz auch fein Geſet? ſey, daſs er es zwar nicht befolgt aber befol- gen ſolte. Mag er auch mit dem Munde dieſes Geſetz verläugnen; es bleibt im Gewiſſen und pricht einmal unmwerſehens hervor, wie im Maho- met des Dichters, da er in ſich gekehrt, und be- troßen die ſchauderhafte Worte ausſpricht:

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*) Briefe das Studium der Theologie betreffend Zter Theil 8. 91 92.