Druckschrift 
Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen

- O 3

kündigt ſich uns als die Königin und Geſetzge- berin unſeres Geiſtes auf die nachdrücklichſte Weiſe an, wenn nicht zufällige Hinderniſſe dieſe naturgemãſse Entwickelung hindern.

Ein Blick in die ihn umgebende Sinnenwelt überzengt den Menſchen bald, daſs er nicht für die Kontemplation allein, nicht für ein kaltes un- thätiges Anſtäunen der Allwirkſamkeit der Natur, ſondern hauptfächlich zum Handeln, zur eigenen Thätigkeit beſtimt ſey. Durch dieſs Handeln und nach dem Verhältniſs dieſer Thätigkeit werden ſeine ſchlafenden Kräfte geweckt, geübt und ge- bildet. Er gelangt allmählig zum Gefühl feiner Perſönlichkeit und feiner mit der ganzen phyſi- ſchen Natur unvergleichbaren Würde.

Er findet ein Geſetz in fich, das ihn über die ganze Sinnenwelt und ihre Geſetze erhebt, das die Vernunft ſelbſt unabhängig von allem, was wirklich geſchieht, und frey von allem äuſern Zwange, ihm für alle ſeine Handlungen vorſchreibt.

Mag es auch ſeyn; daſs nur wenige Menſchen dieſes Geſetzes deutlich und in ſeinem ganzen Umfange ſich bewuſst werden, daſs nur wenige es in ſeiner ganzen Hoheit und Würde, in ſeiner ſonnenklaren, fleckenloſen Reinheit erblicken,

A 2 es