2— 6—
gen und Gefühle, gewiſſe in dem beſtändig fort- flieſsenden Strome von Veränderungen immer wiederkommende Vonſtelumgen zu bemerken. Kaum beginnt es in der ungewiſſen Dämmerung unſerer Begriffe ein wenig zu tagen, ſo heben ſich aus dem verworrenen Chaos von Vorſtellungen, Re- gungen und Gefühlen mehrere empor, werden ſichtbarer dem Auge unſers Geiſtes, ſichtbarer und kenntlicher, je weiter und weiter fich der polde Schimmer hwerbreitet, bis endlich das vol⸗ lere Licht der Erkenntniſs hervorgeht, das dem entzückten Auge in dem biſsher ſo verworren ſo chaotiſch ſcheinenden Ganzen eine Welt voll un- endlicher Harmonie und Ordnung und Schönheit enthüllt. Freylich wird dieſer leztere entzü- ckende Anblick nur wenigen Sterblichen zu Theil, nur wenige erreichen den hohen allumfaſfenden Standpunkt, von dem herab ſie das ganze Syſtem unſerer geiſtigen und körperlichen Kräfte zu über-
ſchauen vermõgen.
Aber man bedarf auch dieſes hohen allumfaſ- ſenden Standpunktes nicht, um mit ſich ſelbſt, mit ſeinem eigenen Ich, und durchdaffelbe mit der menſchlichen Natur überhaupt bekanter zu wer- den. Die Vernunft behauptet beyder fortſchrei-
tenden Eutwicklung unſerer Kräfte ihr Recht, und kündigt


