AUSSERUNGEN ZUR MUSISCHEN ERZIEHUNG
BRIGITTE BEER
in der„Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ 21. J. 54:
... Man mag vielleicht einwenden, daß Mosik, Zeichnen, Leibesöbungen immerhin noch mit einer Reihe von Stunden im Lehrplan vertreten sind und doß damit dem Anspruch dieser Fächer, die jo nichts för das spätere Leben Brauch- bares lehrten, Genöge getan sei. So verschiedener Mei- noͤng man im einzelnen hieröber sein kann,- der Kern wird damit nicht getroffen. Zwar ist es schlimm genug, daß diese fächer an den Rand gedrängt, oft eben noch gedoldet, in der Gesamtbeurteilung der Schöler kaum oder gar nicht gewertet werden. Schlimmer ist, daß die Mosen sich dus den öbrigen Föächern verflöchtigt haben, daß- ungeachtet so mancher Schulorchester und Spielgruppen- das Leben der Schule amösisch geworden ist, daß die Forderungen des Stoffplanes keine Zeit mehr lassen zu Besinnung und schöpferischer Pause. Der Ruf nach Steigerung der Leistung ond das Zweck- und Nötzlichkeitsstreben werden von allen Seiten duch in die Schule hineingetragen; was keinen Notzen zu bringen scheint, wird darunter erdröckt. Und doch hängt der vielbeklagte Röckgang der Leistungen ge- rade duch damit zusammen, daß das möosische Element nicht mehr genögend wirksam werden kann... Befreiung der Lehrpläne von stofflichem Ballast wäre eine der Vor- aussetzungen för eine Wiederbelebung des mosischen Geistes in den Scholen... Solange dber dem Mosischen nicht wieder ein bedeutender Platz im Leben öunserer Schölen eingeräumt wird- und die Mosen sind ja die Höfe-— rinnen der Wissenschaftfen und der schönen Könste- so— lange es nicht, wie die Mosik in Goethes pädagogischer Provinz, zum„Element der Erziehung“ wird, so lange wird
Affe- Mahagoniholz(Oberstofe)
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auch die rechte freudigkeit dem Schulleben fernbleiben, die zu den Wurzeln alles echten geistigen Lebens gehört.
„DIE NEUE WELTSCHAVU“
(Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1952)
Es ist kein Zufall, daß vielfach die Kunsterziehung Anstoß zu neuen Erkenntnissen gab und im Laufe der Entwicklung immer wieder neue Einsichten vermittelte... Die Aufgabe des Kunsterziehers erschöpft sich dber keineswegs mif der Enibildung gestalterischer Kräfte im Kindesalter. Oft hört man die Meinung: Ja, beim Kinde, aber wie ist es während ond nach der Puberfät?... Natörlich möß der Lehrer be- sonders in diesem Alter richtig zu föhren verstehen, dem Bedörfnis, die Dinge und sich selbst zu begreifen, ent- gegenkommen und die Aufgaben so stellen, daß die Kräfte des Schölers nicht öberfordert werden. So wird der jonge Mensch för das ganze Leben die Fähigkeit gewinnen, sich in Moße durch könstlerisches Tun zu sammeln, als Gegen— gewicht gegen unsere betriebsame Zeit mit ihren oberfläch- lichen Unterhaltungen... Er wird den Tand gestaltloser Massenprodoktion ablehnen und Beziehungen gewinnen zu den echten Formen könstlerischen Schaffens. Schließlich wird er unvorsingenommen und dufgeschlossen vor Konst- werke vergangener Zeiten und der Gegenwart freten, da- bei an innerem Reichtum gewinnen und vielleicht duch das Wesen unserer Zeit tiefer verstehen.
KURT LANGE
in seinem Werk„Kgyptische Kunst“
Es ist nötig sich klorzumuchen, daß jede große Kunst— form noch immer aus der Vorstellung entsteht und daß wir sie um der Größe dieser Vorstellung willen verehren. Wem Verständnis för das urspröngliche Schöpfertum des Kindes gegeben ist, dem wird es nicht schwerfallen, Sinngebung auch im scheinboar Unzulänglichen zu erblicken. Er weiß, doß dos, was wie Unföhigkeit aussieht, doch einen frucht- boren Vorgang des Sich-aneignens dusdröckt, der den klas- sischen Kunstleistungen den Boden bereitet.
TIHEODOR DEMEL
„Das Bildongsziel der höheren Schule“. Schrift des Deufschen Philologenverbandes
Die Bildungsidee der höheren Schule umfaßt aber nicht nor die Schulung des Geistes, sondern duch die Entwicklung der Sinne und die Entfaſtung der Seele. Der ſugendliche Wensch soll nicht nur lernen zu erkennen, sondern duch im wörtlichen Sinne zu sehen und zu hören. Wie in die Welt des Wahren soll er auch in die Welt des Schönen einge— föhrt werden. Hier ist es möglich, ihm den besonderen Gehalt eines Kunstwerkes bewöoßt zu machen, sei es in der Dichtung, sei es in der Mosik oder in der bildenden Konst. Im Umgong mit dem Schönen bildet sich der Ge-— schmack. Das Kkönstlerische Erlebnis gibt den Anreiz, eigene mosische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln und schöpferisch fäfig zu sein. Das Edle wird dem Alltäglich-— Gemeinen gegenöbergestellt. So entsteht allmählich jene Sicherheit des ästhetischen Urteils, die der Sicherheit der geistigen Entscheidung entspricht...
Die Ratio ist ein wesentlicher Bestandteil des inneren Men- schen. Aber sie ist eben nur ein Teil. Ihre Entfaltung soll nicht die Kräfte des Gemötes und des Empfindens schwächen...


