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Die bildnerische Provinz in der Schule und ihre Notlage
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GEWICHTIGE STIMMEN ZUR KUNSTERZIEHUNG

AUs Anlaß der Mönchener Tagung 1952 wandte sich der BDK an eine Reihe Persönlichkeiten des kulturellen Lebens mit der Bitte um ihre Meinungsäußerung öber Wert und Be- deutung der könstlerischen Erziehung. Einige der Befragten erklärten sich zu einer Stellöngnahme nicht in der Lage, andere antworteten mit Stillschweigen. Aber die weitaus meisten bekannten gerne ihre UÜberzeugung. Keiner der Be- fragten ist Kunsterzieher im unmittelbaren Sinn; um so un- parteiischer und wertvoller sind ihre Antworten.

PROF. DR. EDUARD SPRANGER/ TUBINGEN

Die Aufgabe des Kunsterziehers ist heutzutage so schwer, daßz ein Pessimist behaupfen könnte, er stehe gerodezu duf einem verlorenen Posten. WMeithin ist an die Sfelle der Konst ein fechnisch prodozierter Ersatz getreten. Der Massenmensch erblickt in Rundfunkmusik, Lichtspielbildern, in Jazz und Negerfänzen die Kultgegenständeseiner Koöltur. Daß es eine Kunst gibt, die wirklich dus dem Urqpell der Seele kommt, durch den beseeſten Organismus prodöu- ziert und reprodoziert wird, also eigens bestimmt ist, dem Menschen dos verlorene Verhöltnis zu der großen bilden- den Nator wiederzugeben, ist heufe nor noch wenigen verständlich. Der Mechanismus hat sich öberall zwischen, den erzeugenden Geist und die empfangende Seele ge- drängt, und eben die Vollkommenheit des Mechanismus st es, die man bewundert und genießt. Dadurch sind Be- zirke des Inneren abgestorben, ohne die der Mensch nicht Mensch bleiben kann. Ein Organ zu wecken, dos ihm fast võöllig verlorengegangen ist, bedeutet den Gipfel der kr. ziehung, die in ihrer feinsten Gestalt selbst immer ein Werk der Kunst bleiben wird. Sie wendet sich an die Schwingun- gen der Phontasie. Im Kinde sind sie noch als Möglichkeiten vorhanden. Werden sie nicht erregt und gepflegt, so wird sich öber Kurz oder lang zeigen, doß ouch die außerkönst- lerischen Kulturleistungen nicht mehr gelingen. Oder ist technisches Erfinden, technisches Schaffen denkbar ohne Phantosie, Sittlichkeit ohne Einföhlung in die Innenwelt anderer Menschen, Religiosität ohne eine Ahnung von dem, was in Worten nicht mehr dusgedröckt werden kann, sondern nöor in großen vielsagenden Symbolen?-Die Kunst

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in weitester Bedeutung beruöht dof der Föhigkeit, durch- seelte Symbole zu schaffen; sie fordert vom Empfangenden, daß er sich för den öberverständigen Sinn solcher Symbole öffnet. Bei der Erziehung zur Musik, zum Zeichnen, zum Malen, zum plastischen Gestalten geht es um mehr als um Fertigkeiten(wie es in der fraurigen Lehrplansprache heißt). Es geht um den Menschen als Ganzes, um seine Rettung vom Druck der bloßen Sachwelt, um die Flögel,

die ihm den Aufschwung zum Idealen erst ermöglichen. Wir betrachten die Kunsterzieher als die wertvollsten Bundesgenossen im Kampf gegen die Vermassung. Mögen sie die Kraft för ihr Werk und den Glauben dauran be halten, daß in ihre Hände ein wesentlicher Teil der Zu konft unserer Koltur gelegt ist, die in allem bewunderns- wert sein mag, nor nicht in der Pflege der Seele. Die Seele aber ist die Einfallspforte för alles eigentlich Geistige und Wenschenwördige.

PROF. DR. PHILIPP LERSCH, MUNCHEN

Die fortschreitende Spezialisierung des modernen Berufs- lebens hat es mit sich gebracht, daß unsere heutige Er- ziehung ihren Akzent vor allem duf die Vermittlung von Kenntnissen und die Ausbildung von Fähigkeiten legt. Man kann ihr daraus keinen Vorwöorf machen. Denn sie frägt damit lediglich den Verhältnissen Rechnung, die durch den vielgliedrigen und komplizierten technisch-organisatori- schen Apparat des modernen Lebens gegeben sind. Er ist es ja, in dem der einzelne seinen Platz finden soll. Und er tot es, indem er sich duf einen Beruf vorbereitet.

Wenn aber Erziehung noch etwos anderes sein soll als die bloße Einhilfe zur Anpassung on das Leben, wenn es zu ihren Aufgaben gehört, sich um die Bildung des ganzen Menschen zu bemöhen und ihm doch die Welt jener Sinn- gehalte zu erschließen, die in den Schöpfungen der Kultur ihren Ausdruck finden, dann kann kein Zweifel bestehen, daß duch die Kunsterziehung ein pädagogisches Anliegen ersten Ranges ist.

Das gilt för alle Zeiten, es gilt aber vor allem und im besonderen för die unsrige. Kunsterziehung ist heute nicht nor die Eöeiterföhrung einer kolturellen Tradition, sondern

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