STELLUNGNAHMEN ZUR DENKSCHRIFIT
Zu dem Memorondom des BDK gingen zahlreiche Stellong— nahmen ein. Einige seien hier wiedergegeben:
SENATOR DR. BIERWANN-RAIJEN, HAMBURG
Dem Bund Deutscher Kunsterzieher danke ich aufrichtig för die programmatische Zoschrift vom 8. Februdr 1954, die eine Erneuerung ond Vertiefung der musischen Erziehung an den Schulen zum Gegenstand hat.
lch bin för diese lInitiative dankbar und darf zum Ausdruck bringen, daß ich jedes Wort lhrer Kundmachung voll und ganz onterschreibe und bereit bin, diese Bestrebungen, wo immer dies möglich ist- insbesondere in der Ständigen Konferenz der Kuſtusminister der Länder- zu unterstötzen. Gestaften Sie mir, daß ich als persönliche Bemerkung noch folgendes anföge:
Wer die Entwicklung der möusischen Unterrichtsfächer an den deutschen Schulen öber einen längeren zZeitraum hin betrachtet, der moß zu dem Resuſtat kommen, daß unge— achtet der forfschreitenden Vermassungs- ond Technisie— rungsgefahren der möusische Unterricht als solcher sich in den Schulen bereits dußerordentlich gebessert hat. Ich er- innere dus meiner eigenen Scholzeit, doß der musische Unterricht ans Groteske streifte, von ganz untergeord- neten Lehrkräften gegeben worde und von keinem Schöler ernst genommen werden konnte. Demgegenöber beob- achte ich- jedenfalls an den Hamburger wissenschaftlichen Oberschölen-, daß echte Könstler mit dusgesprochener pöädogogischer Begobung diese Föcher vortragen und'— sowohl in der Musik als doch im Unterricht öber bildende Kunst- imstande sind, die daför begabten Schöler mit sich zu reißen.
Der mosische Unterricht ist trotzdem unbefriedigend, und zwar dus dem Grunde, den Sie auf Seite 3 lhres Briefes erwähnen, nämlich infolge der Tatsache, daß die mösischen Fächer oft nur eine einzige Wochenstunde haben. Es ist selbstverständlich sowohl för den Mosikerzieher als auch för den Kunsterzieher unmöglich, in einer solchen einzigen Wochenstunde den Schwung ond Fortgang des Unterrichts durchzuhalten. Andererseits ist es bekannt, doß der Ston-— denplan einer höheren Schoöle ein äußerst kompliziertes Gebilde ist und daß die einzelnen Direktoren nöor sehr schwer dozu zu bewegen sind, an diesem komplizierten Gebãude des Stundenplans Anderungen vorzunehmen. lch hatte meinerseits an die Einföhrung der Wahlfreiheit zwischen Kunsterziehung und Mosik gedacht, ersehe aber aus lhrem Brief, daß Sie diese Wa¼:hlfreiheit ebenfalls ab- lehnen und gebe zu, daß die Wahlfreiheit in der Tat duch einen Verzicht dof ein notwendiges geistig-seelisches Ge-— biet bedeuten mößte.
Es bleibt also nur der möhsame Weg öbrig, bei den Schol- behörden und den einzelnen Schulleitern je zwei Wochen- stunden för die beiden musischen Föächer zu erzwingen. Ich möchte dem Bund Deutscher Kunsterzieher dringend ans Herz legen, seinen Kampf ganz auf diese eine Spezialfrage 209 konzentrieren, von deren richtiger Lösung unser ganzes kolturelles Ziel abhängt!
DER NIEDERSACHSISCHE KULTUSMWINISTER
lch teile Ihre Meinung, daß die möusischen UÜbungen und der Werkunterricht ebenso wie die Leibesöbungen in der
Schule ein notwendiges Gegengewicht gegen die starke intellektuelle Beanspruchung der Jogend onserer Zeit sind. Aus den Stondentafeln för die höheren Schulen Nieder- sachsens werden Sie ersehen, daß ich Ihrer Forderung, auch in der Oberstofe zwei Pflichtwochenstunden för Kunster-— ziehung einzurichten, Rechnung getragen habe. Es besteht keine Wahlfreiheit mehr zwischen Kunsterziehung und Musik. In Vertretung gez. Dr. Bojungd.
LANDESSCHULRAI MAITTHEWES, HAMBURG
Ihre Eingabe vom 8. Februor 1954 ist hier eingegangen und gibt mir Gelegenheit, Ihnen zu sagen, daß lIhre Auffassung von der Bedeutung der musischen Bildung för eine ganz-— heitliche Erziehung der Kinder von der Hamburger Schul- behörde durchaus geteilt wird. Die Schulbehörde hat duch för die Wissenschaftlichen Oberschulen eine Unterrichts- verteilung geschaffen, die dieser Auffassung Rechnung trägt. Sämtliche Klassen der Wissenschaftlichen Ober- schulen haben je zwei Wochenstunden för Kunsterziehung ond Musik und nach Möglichkeit zwei bis drei Stunden Leibeserziehung.
Zusätzlich besteht för interessierte Schöler und Schöle— rinnen der 12. und 13. Klassen die Möglichkeit, an Arbeits— gemeinschaften teilzunehmen, die von Fachlehrkräften ge- leitet werden. Gerade die Arbeitsgemeinschaften mit The- men dos dem Gebiet der Kunst werden von der Schöler-— schaft der Oberklassen besonders gern gewählt. Auf diese Weise ist die Schulbehörde duch ihrerseits dof dem Wege, Gedonken und Ziele, wie sie in Ihrem Aufrof so dringlich zum Ausdruck gebracht werden, der Verwirk- lichung möglichst nahezubringen. Mit den Bestrebungen Ihres Bundes befinden wir uns in voller Obereinstimmung. gez. Matthewes.
Reiter- Ton(Oberstofe)


