schen Koöſtor auf sich hat, an die seit Urzeiten alle Völker onendliche Kräfte gesetzt haben. Sie föhrt den jungen Men- schen der reiferen Altersstöfen dber doch in die Kunst onseres Jahrhunderts ein ond sie bringt ihn damit an aſſe bedeutsamen Probleme heran, die seine eigene Zeit bewegen und bedröängen. Kurz: die Konst-— erziehung ist bestrebt, den jungen Wenschen heimisch zumacheninderherrlichen Weltder Kunst. So mocht sie ihn- dos dorf wohl gesagt werden- immun gegen die forchtbarste Gefahr unserer Zeit, gegen die Entpersönlichung, Entmenschlichung und Vermassung.
50 STEHT ES HEUTE
In den letzten Jahren ist die Kunsterziehung, entgegen allen Reformubsichten nach dem Kriege, in der Höheren Schoöle immer stärker zuröckgedrängt worden. Nur noch in wenigen Bundesländern stehen ihr in den Klassen der Sech-— zehn- bis Neuzehnjährigen zwei Wochenstonden zur Ver- fögong. In der Regel wöorde der Kunstunterricht duf eine einzige Wochenstunde beschränkt, in manchen Scholen sogor schon ab Obertertia! Vielfach ist den Schölern der Oberstofe öberlassen, ob sie am Kunst- oder Mosikunter-— richt teilnehmen wollen. Diese Anordnung beweist, daß man die Erziehungs- ond Bildungswerte ſedes dieser Fächer sehr gering einschätzt oder daß man glaubt, die Werte der Kunst durch die der Musik ersetzen zu können ond umgekehrt. Nicht selten ist duch die Meinung anzu— treffen, der Kunstunterricht habe nur för die spezifisch Be- gabten Sinn; mon verkennt, daß die erfolgreiche Teilnahme am Kunst- und EVWerkunterricht kein höheres Maß von Be— gabung voraussetzt als etwa die am Deufschunterricht. 80 wenig dieser Dichter heranbilden will, ebensowenig jener Maler oder Bildhauer.
Was kann in einer Woöochenstonde Kunst— erziehung geleistet werden?
Jedem wissenschaftlichen Lehrer ist die grundsätzliche For- derung nach mindestens zwei Wochenstunden för jedes wissenschaftliche Fach selbstverständlich. Denn wie sollte der Historiker, der Biologe oder Physiker in einer Stunde je Woche doch nur halbwegs Ersprießliches mit seinen Schölern leisten können! Den musischen Fächern aber mufet mon dies zu, noch dazu in den oberen Klassen mit ihren besonders großen Anforderungen. In wöchentlich 45 Mi- noten soll der junge Mensch seine schöpferischen Schaffens- kräfte zeichnend, molend, plastisch und werkend formend enffalten und dabei z. B. das Wesen der Werkordnung, die Ausdrucksmöglichkeiten der Furbe oder den Reichtum der Noator stödieren lernen! Alles in allem soll er Augenmaß ond Urteil gewinnen, d. h. immer genduer unterscheiden lernen zwischen dem echten mösischen Wert, dem bloßen Scheinwert und dem Kitsch. Und dies nicht nur för die Be- reiche der freien könstlerischen Gestaltgebung, sondern ebenso duch för die der Umweltfformung in Architektur, Raumgestaltung und Gebrauchsgot. Denn jegliche Koſtor beginnt nicht erst mit dem Meisterwerk der hohen Kunst, Mosik und Dichtung, sondern- wie oft wird das öbersehen mit den kleinen, unscheinburen und alltäglichen Dingen. Aber der Schöler soll duch die bedeutenden Leistungen der Büumeister, Maler und Bildhouer dus den Epochen der antiken und christlich-abendländischen Koltur in ihrer zeit-
lich, weltanschaulich und perséönlich bedingten Stilweise erfohren und lieben lernen...
Selbst wenn der Unterricht sich dof das WEöesentlichste be- schränkt, wie es duch bei zwei Wochenstunden unumgäng- lich ist, sollte nicht schwer einzusehen sein, daß bei der Beschränkung duf nur eine Stunde nöor noch sehr ober— flächlich gedrbeitet werden kann- dos dber widerstrebt dem Wesen aller Erziehung dorchdus. Warum aber ver-— bannt man dann die möosische Erziehung nicht ganz aus der Schule? Die mit Fächern und Stoffmengen öberlastete höhere Schule wörde dann zwor ihre Kardindldufgabe der Allgemeinbildung endgöltig preisgeben und zur reinen Ver- standesschule werden. Aber dos ist sie im Grunde schon jetzt mit dem Anhängsel von je einer Wochenstunde Konst ond Mosik innerhalb von 36 Wochenstunden.
In dieser duch för die Schule kritischen Lage hat der Bund Deutscher Konsterzieher im Februdr 1954 dn die Ständige Kultusminister-Konferenz, an die Kulfosminister und Koſtor- sendtoren der Länder sowie an den Deutschen Ausschuß för das Erziehungs- und Bildungswesen dus dof Seite 24 wieder- gegebene Wemorandum gerichtet. Anschließend ist dos Schriftstöck einer Reihe von anderen Instanzen und von Persönlichkeiten zur Kenntnisnahme zugeleitet worden. Soweit die Adressaten zu dem Inhalt Stellung nahmen, geschah es dorchweg in eindeutig zustimmender Weise. (Diese Stimmen sind duszugsweise dof Seite 25 dbgedruckt.) Widersprechende Stellungnahmen sind dem BDK nicht bekannt geworden; wohl aber haben sich manche der An- gesprochenen dusgeschwiegen. Lehnen sie die Auffos-— song der Konsterzieher von den Aufgaben und Pflichten der Schule ab oder haben sie kein Interesse daför?
Es geht letzten Endes aber keineswegs hier nur um das fach Kunsterziehung oder Mosik, es geht um die Verant-— wortong der Schule der Jugend gegenöber und uom das nicht 2z9 leugnende Menschenrecht dieser Jugend. B.
Porträt- Wasserforbe(Unterstofe)


