wissenschaftlichen Fächern eine Sonderstellung ein. Er will nicht in erster Linie Wissen vermitteln, sondern den Sinn för das Schöne wecken... Der Kunstbetrachtung steht der praktische Umgang mit Farben und Formen gegenöber. Wenn der Schöler selbst versucht, schöpferisch zu wirken, wird er vor Ffrogen gestelſt, die er bei der theoretischen Betrachtung schon als gelöst vorgefunden hat: wie boue ich ein Bild dof, wie komponiere ich die Formen harmo-— nisch ineinander, wie wähle und verteile ich die Farben... Hier setzt jetzt die Arbeit des Kunstlehrers ein; er moöoß die Veranlogung wecken. Aber ganz behufsam möoß er das fon... Wenn der Schöler die Schule verläßt, möß es doas Ergebnis des Kunstunterrichts sein, daß er sich doch weiter mit der Kunst beschöftigt, daß die Kunst sein stefer Begleiter und Bereicherer wird...
Das eigene Schaffen weckt in dem Schöler das Geföhl der Freude. Naförſich sollen dus den Schölern keine Könstler gemacht werden. Aber duch der Schöler empfindet ein schönes, befriedigendes Geföhl, wenn er vor einem selbst- gemalten Bilde steht und wenn er sieht, daß es besser ge- worden ist als dos letzte... In der jetzigen Zeit haſte ich es för unbedingt notwendig, in der Schule die moderne Kunst zu behandeln. Der Wensch muß sich mit der Kunst seiner eigenen Zeit befassen und darf sie nicht als„öber-— spannt“ dbfon... Dörer sagte einmal, daß man einen Könstler erst dann verstönde, wenn man selbst schon ein— mal ein Bild gemalt habe...
Wie alle möosischen Dinge, hat doch das Malen psycho— logischen Einffoß. Auch beim Singen und Tanzen, beim Laienspiel gehen die Kinder dos sich heraus, werden ge— löst und von Hemmöungen befreit. Aus diesem Gronde scheint mir der Kunstunterricht so wichtig...
Die moderne Kunst gibt einem sehr zu denken, und ohne wirkliche Anleitung wird es sicher nor wenigen gelingen, sich in sie vertiefen zu können. Das merkt man schon bei der Generation unserer Eltern. Sie wurden ganz anders erzogen als wir, und wie viele versperren sich krampfhoft gegen die moderne Kunst...
Bei der Werkaurbeit, die ja duch zur Kunsterziehung gehört, wird ebenfalls der Geschmack und das eigene Denken ge- schulſt. Mit dem Malen kommt in der Oberstufe langsam im- mer größeres Verständnis för die Kunst...
Der Kunstonterricht stellt eine wohltuende Unterbrechung der vielen wissenschaftlichen Fächer dor, allerdings nur eine kleine, do er viel zu wenig Stunden einnimmt. Jeder Mensch braucht doch nicht nor geistige Fähigkeiten, son- dern auch mösische, geistig-seelische Empfindung. Ich finde, daß im Kunstonterricht ein so wohſfuendes Zusammen-— gehen von Denken ond Empfinden möglich ist... Um in die Bildgesetze einzudringen, sollte man einmal selbst mit farben und Formen umgegangen sein. Wenn man merkt, daß mon darin allmählich weiterkommt und man einen Blick för die Dinge gewinnt, kann es viel Freude machen. Vor allem der Werkunterricht hat för das praktische Leben großen Wert...
Man lernt verstehen, dus welchen Grönden die Könstler sich in verschiedenen Zeiten so verschieden dusgedröckt haben, und sieht dabei duch das, was allen gemein ist. Man wird dazu erzogen, nicht einfach impulsiv ein Werk abzuſehnen, sondern es dus dem Geist seiner Zeit zu sehen. Sehr wichtig ist, daß man wirklich Gutes von Minderwerti- gem unterscheiden lernt. Man bekommt einen Sinn för die Komposition, för die Forbharmonie und för die Echtheit
Modell einer Kirche- Karton(Oberstofe)
der Aussage. Die eigene Befätigung ist dazu eine gote Er- gänzung... Im Kunstunterricht wird dos Auge Hunz entscheidend ge-— schult... Diée gewonnenen Fähigkeiten kann man später auch praktisch unwenden, z. B. bei der Ausstattong von Räumen...
NEUNZEHNJAHRIGE
Die Aufgobe des Kunstonterrichts ist es, das zunächst mehr instinktive Verstehen der Kunst zu vertiefen und zu einem Fundoment duszubauen. douf dem der Schöler im späteren Leben dufbauen kann... Der Lehrer muß so lebendig duf
Stödie nach einer Pieta(Oberstofe)
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