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Die bildnerische Provinz in der Schule und ihre Notlage
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Kunstgeschichtl. Stödien nach Bauten dos Rendissance u. Barock(Oberst.)

was man Bildung nennt. Und mit der Liebe und dem Ver- stäöndnis endlich hat der Schöler etwas gewonnen, was er nie mehr verlieren kann, was sein Leben verschönt und reichhaltiger macht, ja es sogar dof ein neues, höheres Nivedu hebt...

Man kann aus einem Kunstwerk nicht nur för sich ge winnen, sich bilden, sondern lernt dus ihm die Kultur seiner Zeit kennen. Die Masse des Volkes lebt duf der Ebene des Leichten, des Problemlosen. Der Kunstunterricht soll den Menschen dus dem Unechten und Verlogenen herausreißen,

Stodien nach Skolptoren aos Gotik und Barock(Oberstufe)

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domit er das wirklich Wahre erkenne und danach sein Leben einrichte...

lch bin der Meinung, daß der Kunstonterricht an keiner Schule fehlen dorf...

Durch die Kunstbetrachtung wird die Urteilsfähigkeit und der Geschmock geöbt, auch för die Dinge des fäglichen Lebens. Denn Geschma:cklosigkeiten in Wohnongseinrich- tong ond z. B. Geschirr sind gendu so schrecklich wie in Gemãälden...

Wir lernen das Wesentliche vom Unwesentlichen aosein- anderhalten... Nun sehen wir auf einmal die Gesetze der Formen, der Proportionen, der Linienföhrung, der Farben- Komposition... ITch bedouere sehr, daß wir nur eine Stunde Kunst in der Woche haben...

MADCHEN

Der Kunstonterricht dörfte an keiner Schule fehlen... Man lernt, Figuren und Landschaften in verschiedenen Techniken z9 formen, 2. B. als Bleistiftzeichnungen, Federzeichnungen, Aqudrelle, als Linof oder Holzschnitte oder sogar als Radierungen. Dazu lernt man Pla:stiken anzufertigen... lch gläaube, man kann Kunst erst richtig verstehen, wenn man selber einmal versucht hat, etwas darzustellen. Man sieht dann, wie schwierig es ist, etwas Abgerundetes und Harmonisches zu schaffen... In der bildenden Kunst hat man ein Mittel, mit dem man dusdröcken kann, was mit Worten schlecht wiederzugeben wöre...

Es geht um die Formung des Geschmacks. Das ist sehr wichtig, weil dem schlechten Geschmack bei äußeren Dingen leicht eine Verkifschung der Gedanken und Ge- föhle folgt... In der Kunstbefrachtung lernt man die Ent- wicklung des Welt-, Gottes- und Menschenbildes kennen uond kann verstehen, warum gerade in einer bestimmten Zeit nur diese Stilfform herrschen konnte...

Beim Selberschaffen werden einem die Augen för die Viel- falt und Schönheit der Farben und Formen geöffnet... Der Kunstunterricht ist doch wohl das einzige Fach, in dem der Schöler etwas von sich aus erschaffen kann; er schöpft dus sich heraus und gestaltet. Dadurch kommt er sich selbst gegenöber doch zur Selbstkritik...

Die Kunst ist uns nicht mehr ein fremder Begriff, öber den wir nor in Phrasen reden könnten, vielmehr wird sie uns zum steten Gefährten, wir leben mit ihr und sie lebt in uns ... OÜber alle persönlichen Vorteile(Vertiefung und Aus prägung des eigenen Selbst) weist uns die Konst allein einen Weg, ondere Menschen und ganze Zeitabschnitte oder Völker verstehen zu lernen...

Ich halte den Kunstunterricht för sehr notwendig. Dadurch, daß wir uns viel mit der Kunst beschäftigen, wird unser Sehen geschult... Aber daß wir auch selbst malen, das sagt mir nicht recht zu. Vielleicht bekommt man dadorch einen dusgeprägteren Farbensinn und ein größeres Ver stehen för die Arbeit des Könstlers. Doch um wirklich etwas Gutes zu schaffen, muß man begabt sein...

Den größten Platz im Kunstunterricht muß das Malen ein- nehmen, und zwor von Sexta bis Oberprima. Erstens be kommt man dadorch ein wirkliches Verständnis för die Kunst. Zweitens wirkt das Selbstmalen lösend ond be freiend. Es löst und glättet Verkrampftes und gibt einem wieder den Glauben an das Schöne, und öberhaupt an einen Sinn des Lebens. Aus diesem Grunde, meine ich, sollte jeder malen, duch wenn er meint, völlig unbegabt zu sein. Der Kunstunterricht nimmt unter den geistes- und nator-