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Die bildnerische Provinz in der Schule und ihre Notlage
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Der Notzen des im akademischen Sinnrichtigen Zeich- nens ist doch nöor gering im Vergleich zu dem onschötz- baren WEWVert der Phantasie. Man sollte sie den Kindern so lange wie möglich erhaſten und die Eigenart jedes Wen- schen achten.

Der Lehrer, der die ihm anvertraufen Schöler als Individuen behandelt, leistet schon dadorch einen wertvollen Beitrag zur Erholtong der dbendſändischen Kuſtur, indem er den Verfechtern der Koſſektivierung die Arbeit erschwert. Kinder mit einer gufen kunstpödagogischen Vorbildung werden in ihrem späferen Leben den Dingen der Konst gegenöber dofgeschlossener und urfeilsfähiger sein als die Erwachsenen-Generation von heute und gestern.

PROF. DR.NG. HANS SCHWIPPERT

Erster Vorsitzender des Deufschen Werkbundes

Kunstunterricht und Werkunterricht gehören zusammen. Kunsterziehung heute und morgen kann nör meinen: bei der Menschenbildung die gestoſterischen Kröfte, Bildongen ond Wirkungen zu bedenken, zu nutzen und zu fördern. Das geht nicht nur die Kunsterzieher an. Doch woren und sind sie hier Vortrupp.

Es steht der schwerste Abschnitt noch bevor: wie jene oll- gemeinen großen, aufgefangenen Kräfte des kindlichen Menschen hinöbergleiten in das Ton oder Urteilen seines erwachsenen Lebens? Hier warten Erzieher und Schaffende der gebundenen und der freien Könste nicht nöor aof Bilfe, sondern duf grundſegenden WMechsel.

Hier wird duch entschieden, ob ihre Möhe um die Wohl-

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ansftöndigkeit der Geröte und Dinge, om die Angemessen- heit der guten Form, um die Aufrichtigkeit und Sauberkeit des Bauens, om Sinn und Aufgabe der hohen Könste göl- tigen, bleibenden und breiten Erfolg haben.

DR. HANS VOGEL

Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Kasse!

So gewiß der Kunsterzieher in erster Linie die bildnerischen Triebe der ihm unvertrauten Jogend zu lenken und zu lei ten hat, sollte die Rolle, die die Kunstbetrachtung und die Kunstgeschichte in seinem Aufgobenbereich spielen, nicht onterschätzt werden. Die Beumten unserer öffentlichen Kunstsammlöongen haben bei Föhrungen von Schölklassen immer wieder Gelegenheit, die großen Unterschiede in der Aufnahmebereitschaft der einzelnen Gruppen festzustel- ſen. Die eine Klasse ist stompf, verschlossen, unergiebig, die andere teilnehmend, aufgetan und manchmal selbst er- stäunlich kenntnisreich. Immer aber pflegt dann bei den Klassen, die sich för die behandelten Fragen besonders aufnahmebereit zeigen, duch der begleitende Lehrer be- sonders dufgeschlossen zu sein. Nach dem Lehrplan unserer heutigen Schulen ist der Kunsferzieher fast der einzige, der der Jogend einen Begriff von den bildnerischen Werken unserer Vergangenheit gibt, der ihr Grundlagen för die Betrachtung von Architektur, Malerei, Plastik, Kunsthand- werk vermiftelt. Diese Grundlagen aber sind wichtig, wenn wir ein großes und verpfſichtendes geistiges Erbe nicht ſeichtfertig vertun, sondern dufbauend von Generation zu Generotion weiterreichen wollen.

oben: Nilpferde- Sandstein ond Kalkstein(Unterstofe)

onten: Eule, Taube- Kalkstein (Oberstofe)