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Die bildnerische Provinz in der Schule und ihre Notlage
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STIADTRAT A. D. WALTER MAY, BERLIN

Mit der Aufnahme der Fächer Zeichnen, Werken, Kunst betrachtung usw. in die Stundenpläne unserer Scholen ist der Forderung nach könstlerischer Erziehung nör äußerlich vnd zeitlich meist in ungenögender Weise Genöge getan. Erst wenn wir bereit sind, dem Musischen seinen Rang ein zuräumen als etwas,was man för dos Leben braucht, för ein gesundes und dufgeschlossenes Leben, wird die Frage der Ausdrucksgestaltung als ein wesentliches Element der schoölischen Erziehung erkannt werden. Auf diesen Aus- gangspunkt kommt es an. Dann wird sich ein frischer Kraft- quell dorch den ganzen ÜUnterricht aller Schulstufen hin- durch bemerkbor machen. Daß diese Forderung ein halbes Jahrhöndert nach den ersten Kunsterziehungstagen noch immer gestellt werden moß, darf nicht entmotigen. Gibt es doch duch sehr moderne Forderungen, die bereits Come- nius an die Schulen stellte, ohne daß sie bis heute allgemein in das pädagogische Bewußtsein der Eſtern, Lehrer und Haoushaltsdusschösse eingegangen und verwirklicht wären.

DR. THEODOR MUILLER

Direktor des Buyrischen Nationalmuseums Mönchen

Meines Erachtens mößte methodisch alles dorduf ankom- men, erzieherisch die jugendliche Fähigkeit zur spieleri- schen Aneignung auszunötzen und von fröh auf begreif- lich zu machen, daßKunst dem Leben immanent, also nicht etwas Besonderes ist, was nöor einer bestimmten Menschengroppe- den Erwachsenen oder den Gebildeten oder den Vermögenden- zugehörig ist. Dann wörde, glaube ich, am meisten Aussicht sein zu erreichen, daß der jogendliche, d. h. der heranwachsende Mensch das fat-

sächlich Besondere des Kunstwerkes von sich dusent deckt.

A. GRlESSBACNH

Direktor der Hohen Landesschule Hanads

Es ist öber die Bedeutung der könstlerischen Jugenderzie- hung bereits so viel gesagt und geschrieben worden, doß es mir mößig erscheinen will, die nach meiner Ansicht öber- zeugenden Gedankengänge und die göltigen Formöolie- rungen des Bundes Deutscher Kounsterzieher zu wieder- holen. Wohl aber kann ich als langjähriger Leiter einer höheren Schule und dus gröndlicher Erfahrung heraus nor immer wieder die hohe erzieherische Bedeutung betonen, die dem wohlverstandenen Kunst-, Zeichen- und Werk- onterricht im Rahmen der mit Kopf-Fächern öberreich ver- sehenen höheren Schule zokommt. Die heufige höhere Schole, die dus zwingenden Grönden öber ihre onterricht- liche Funktion hindus wesentliche erzieherische Aufgaben zu erföllen hat, wenn sie ihre Existenz als allgemeinbil- dende Schuöle noch rechtfertigen soll, braucht hierzu neben dem politischen Unterricht und dem Möosikonterricht in erster Linie gerade die von der neuzeitlichen Kunsferzie- hong beabsichtigten Aktivationen: den Anruf der Ganz- heiftskräfte, die seelische bzw. mandelle Auseinander- setzung mit Materie und Form, dosinteresselose, aber selbstverantwortliche Ringen mit dem sachlichen Partner (bapier, Farbe, Ton, Holz pp.) und das persönlichkeifsge- staltende Werkgeföhl als-wie ich glaube- unentbehrliche Formkräfte ihrer Bildungsarbeit.

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Linolschnitt(Mittelstofe)

Frisör-

KXONRAD LEMAMER, BERLIN

Im allgemeinen wird man vom Verleger unnehmen, doß ihn die Frage des Kunstonterrichts in der Schule nur so weit interessiert, als er dodurch Käufer för seine Kunstböcher findet.

Abgesehen von dieser rein praktischen Erwägung hot der Verleger zur Kunsterziehung natörlich noch eine andere Meinung, da er ſa im soziologischen Sinne duch so efwos wie ein Erzieher sein soll. Es mößte doch gerddezu selbst- verständlich sein, daß man neben der Literaturgeschichte duch Kunst- und Mosikgeschichte lehrt, um den Schölern wenigstens eine Ahnung kuſturhistorischer Zusammenhänge z9 geben.

Etwas ganz anderes ist es mit der Bedeufung der schöpfe- rischen Jugenderziehung. Hier scheint eine NMöglichkeit zu liegen, dem nivellierenden Einffuß zu begegnen, den die öffentliche Schule doch im gewissen Maße hat und haben moß. Das Bestreben verantwortungsbewußter Pädagogen, die Kinder zu Persönlichkeiten zu erziehen, findet im Mal- ond Werkunterricht seine beste Unterstötzung. Indem man schon vom ersten Tage an die Schöler dozu verlockt, etwas Eigenes zu schaffen, kann man mithelfen, sie zum Bewußt sein ihrer Individudſität zu bringen.

Pferde-

Linolschnitt(Mittelstofe)

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