Mosken- Papier, Bast, Wolle(Unterstofe)
diskutierten Erziehungs- und Bildungsreform sein. Alle Er-— zieher sind dovon zu öberzeugen, daß nur durch entspre- chende Beröcksichtigung der musischen Bildung(die durch religiõse Erziehung vervollkommnet wird, aber sie nie er- setzen kann!) wahrhaft siftliche Wenschen heranwochsen; diese werden vermöge der vermittelten Erkenntnis des Schönen als des däußeren Abglonzes des Wahren ond Goten und damit letztlich Gottes vorbildliche Träger des Gemeinlebens sein. Wir broauchen bei unserer heutigen Massenkultor und dem Angebot von indostriellen Massen- erzeugnissen Urteilsfähigkeit, um echte Qualität vom WEöert- losen zu unferscheiden; jeder Lehrer, nicht bloß der Kunst— erzieher, sollte schon hinsichtlich der Dinge des fäglichen Gebrauchs erreichen, daß wir von Jugend an in einer„ge- ordneten“ äußeren Umgebung wohnen. Ein Kunstwerk solſte nicht als Gegenstand des„Genusses“ betrachtet wer-
Marionetten(Mephisto und Kasper)(Oberstofe)
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den, sondern die in ihm vorgebildete Ordnung ist dorch innere, echte, tätige Anteilnahme zu erschließen! Mößten onsere Museen nicht noch mehr wie bisher, etwo nach angelsächsischem Vorbild, als wirklich lebendige Bildungs-— stätten in jede Stufe der Erziehung einbezogen werden? Die Weckung der schöpferischen Aktivität im musischen Bereich soll also nicht dozu dienen, möglichst viele Könst-— ler oder„Kenner“ heranzuzöchten, sondern lehren, echte Qoalität und die Schönheit der Dinge zu erkennen. Da-— durch wörde im Endergebnis unser Wirtschafts- und Ge-— meinleben von Grund auf umgestaltet und eine jetzt vor- handene Unordnung zum Gufen geöndert.
Das Ziel der Kunsterziehung ist nicht, nur äösthetisch die allgemeine Erziehung zu ergänzen, sondern die Juogend ethisch zu vervollkommnen. Mit Fug und Recht mößte eine solche duf„Harmonie“ gerichfete Bildung„humanistisch“ genannt werden.
MINISTERIALDIREKTOR DR. OTIO KOCH
Solange die Bindungen des Glaubens oder doch die Bin— dungen einer lefztlich vom christlichen Glauben abgeleite- ten Ethik allgemein bestanden, konnten die verheerenden Wirkungen der einseitig rationalen Erziehung nicht kraß zutage tfreten, erst die Zeit des Niederganges und des Zu— sommenbruchs offenbarten dos ganze Elend einer rational wochernden, seelisch verkömmerten Zeit. Wo ist der große Gegensotz zu der Erziehung des Ostens? Ist es nicht nor ein gradueller Unterschied, wenn man dort den Menschen völlig als nötzliches Glied der Gesellschaft verheizt, wäh-— rend er im Westen zugleich weitgehend seine ratio per- sönlichen Zwecken und Vorteilen dienstbar machen dorf? Westliche Erziehung möuß die ganze Seele pflegen. Anim ist nicht nor ratio, sondern duch religio, Ebenbild Goftes, das heißt schöpferische Kraft, Gestaltung des Seelischen. Dorum ist es eine schwere Schuld der wesflichen Erziehung,
daß sie doch heufe noch der Konst ond Musik nor eine
Aschenbrödelstellung in der Schule zuweist, sowohl der Stondenzahl nach, die man ihr zugesteht, wie duch nach der Einschätzung ihrer pädagogischen Bedeutung. Solange der Westen nicht die schöpferischen Kräfte des Kindes und des jongen Menschen dof allen Gebieten durch die Methoden des Unterrichtens und Erziehens entfaltet, so lange ver- wirklicht er nicht den Gegenpol zum Osten, die Freiheit der vollen menschlichen Persönlichkeit. Warum versteht onsere Jogend in West und Ost kaum noch, was wir Alten onter der„freien Persönlichkeit“ verstehen? Weil sie sich nicht an sich und in ihrer WEVelt erſebt.
Das sind Gedanken, die von den Kunsterziehern seit Jahr- zehnten nicht nur gepredigt, sondern in dem engen Rahmen ihres Erziehungsaouftrages dorch Weckung und Pflege der mosisch-schöpferischen Kräfte verwirklicht werden. Aber sie stehen meist einsam mit ihrer Forderung da, gestötzt vielleicht von den Mosikpädagogen und Germanisten, aber wo ist die Schule, in der ihr Prinzip des Kampfes gegen die Entseelung und Verflochung Unterricht und Erziehung be- herrscht? Wo ist die Schule, in der die Weckung und Pflege der in jedem Menschen schlöommernden könstlerischen Ge-— staltungskräfte duch dof die Pflege der produktiven geisti- gen Kräfte grundsätzlich angewandt wird? Demokratie ist Entfaltung des Vollmenschentums, der produktiven geisti- gen und seelischen Kräfte des Individoums zu selbständi- gem, verantwortlichem Handeln im Dienst der Gesamt- heit. Also ratio und anima in der Erziehung.


